Archiv der Kategorie: Drama

Feuer im Kopf: Meine Zeit des Wahnsinns (Susannah Cahalan)

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feuer im kopfAuf dieses Buch wurde ich durch eine Freundin aufmerksam. Wir hatten uns über Fehldiagnosen und den glücklichen Zufall, nach mehreren Anläufen den richtigen Arzt zu finden, unterhalten und sie erzählte mir von Susannah Cahalans Krankengeschichte.

Susannahs Schilderungen berühren einen und hinterlassen auch ein leichtes Grauen, wenn einem bewusst wird, wie anders ihr Leben verlaufen wäre, wenn Susannah zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort gewesen wäre. Sie hatte Glück, dass die richtigen Ärzte ihre Wege kreuzten.

Außerdem führt „Feuer im Kopf“ nochmals vor Augen, wie wichtig Familie und Freunde sind. Ohne deren Einsatz wäre Susannah vermutlich verloren gewesen.

Allerdings lag mir der Schreibstil nicht immer. Vielleicht hatte ich gewisse Vorurteile, da Susannah bei der New York Post, vergleichbar mit der Bild, arbeitet, aber manchmal wirkte es zu reißerisch. So z.B. wenn sie die Hirnbiopsie beschreibt. Da benötige ich keinen Quasi-Livebricht, mir reicht es auch, wenn die Schritte der Mediziner neutraler beschrieben werden.

Eine kleine Anekdote zum Abschluss: da ich gerade die Serie „Hannibal“ geguckt habe, kam mir „Feuer im Kopf“ noch düsterer vor. Schließlich leidet Will Turner ebenfalls an Enzephalitis.

Sterne: 4 von 5

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Shotgun Lovesongs (Nickolas Butler)

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shotgun lovesongsLittle Wing, eine kleine Stadt im Norden der USA: hier sind Henry, Lee, Ronny, Kip und Beth aufgewachsen. Henry und Beth sind verheiratet, Lee ist ein berühmter Sänger, Ronny eine ehemaliger Rodeoreiter und Kip ein Geschäftsmann.

In diesem Roman besingt Autor Nicholas Butler Freundschaft, Heimat und das bodenständige Leben in einer amerikanischen Kleinstadt.

Die Freundschaft zwischen Henry und Lee steht im Mittelpunkt der Handlung. Sie macht mehrere Wandlungen durch und wird vor eine schwere Probe gestellt.

Die gute Seele der Gruppe ist Ronny, der dank eines früheren Alkoholproblems geistig nicht mehr so fit ist. Ronny ist herzensgut und sorgt mit seiner überraschend klaren Sicht auf die Dinge dafür, dass seine Freunde erkennen, was wirklich wichtig ist.

Nicholas Butlers ruhiger Roman über die großen und kleinen Dinge des Lebens geht ans Herz.

Sterne: 4 von 5

Am Ende der Treppe, hinter der Tür (Sabine Ludwig)

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am ende der treppeMartha ist 16 und hat vor zwei Jahren ihren Vater verloren. Nun ist sie zusammen mit ihrer Mutter zu dem neuen Freund ihrer Mutter gezogen. Martha hasst ihr neues Leben. Als sie mitbekommt, wie in der Wohnung über ihnen eine Frau ermordet wird, beschließt sie, den Mörder zu erpressen.

Am Ende der Treppe, hinter der Tür“ ist kein Thriller. Eigentlich auch kein Krimi. Vielmehr geht es um Martha und ihre pubertären Probleme. Wenn ich nicht wüsste, dass Martha sich wie ein typischer Teenager verhält, hätte sie mich extrem genervt. So ist es aber Sabine Ludwig gut gelungen, die Gefühlswelt eines heranwachsenden Kindes darzustellen. Martha ist launisch, auf sich konzentriert. Nebenbei schwärmt sie für ihren Englischlehrer.

Erst zum Ende hin entwickelt sich dieser Roman zu einem Krimi. Die Ereignisse überschlagen sich. Es wird richtig spannend. Ob die Handlungsweise einzelner Personen glaubwürdig ist, sei dahingestellt.

Mir hat dieses Buch gut gefallen. Nachdem mir schnell klar wurde, dass ich kein Krimi erwarten darf, habe ich mich auch dieses Buch eingelassen und wurde bestens unterhalten.

Sterne: 4 von 5

Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte (Peter Heller)

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das-ende-der-sterne-wie-big-hig-sie-kannte-072225210Amerika nach der Apokalypse. Hig hat dank einer Grippeepidemie alles bis auf seinen Hund Jasper und sein kleines Flugzeug verloren. Nach sieben Jahren macht er sich auf, mit dem Flieger das Land zu überfliegen.

Dystopien überschwemmen momentan den Büchermarkt. Ich habe davon einige gelesen, aber „Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte“ ist ganz anders als die bisherigen Romane dieser Art.

Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte“ ist ein leiser, fast philosophischer Roman.“ Obwohl Hig nahezu allein da steht und permanent Angst vor lebensgefährlichen Überfällen haben muss, scheint er sich mit der Situation arrangiert zu haben. Er liebt die Natur, das Leben an sich.

Doch so schön Higs Betrachtungen der Natur beschrieben sind, zur Mitte hin hatte das Buch meiner Meinung nach einen kleinen Durchhänger und zog sich ein wenig. Zum Ende hin nahm es wieder Fahrt auf.

Peter Heller verzichtet in seinem Roman vollkommen auf die wörtliche Rede. So ist es nicht immer einfach, auf dem ersten Blick zu erkennen, ob es sich nur um einen Gedanken oder um ein gesprochenes Wort handelt. Allerdings unterstützt dieses Stilmittel den Eindruck der isolierten und vereinsamten Welt, in der Hig lebt.

„Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte“ ist ein ruhiger, manchmal nachdenklich machender Roman.

Sterne: 3,5 von 5

Komm wieder zurück (Deborah Reed)

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komm wieder zurückNachdem Annie erfährt, dass sie von ihrem Lebensgefährten betrogen wurde, fällt sie in ein Loch. Erst als ihr Bruder wegen Mordverdacht verhaftet wird, findet Annie langsam wieder zurück.

Komm wieder zurück“ ist kein fröhliches, sondern vielmehr ein melancholisches Buch. Da ich selbst momentan nicht gut drauf bin, passte es perfekt zu meiner Stimmung.

Mit Zeitsprüngen zwischen den Kapiteln wird von Annies jetzigem Leben und ihrer Kindheit sowie Jugend erzählt. Der Tod ihres Vaters war ein bedeutender Wendepunkt, an dem ihre Familie fast zerbrach. Doch immer wieder zeigt sich, dass Annie eine starke Frau ist und sich aufrappelt.

„Komm wieder zurück“ ist ein leiser Roman. Wer ruhig erzählte Familiengeschichten mag, liegt hier nicht falsch.

Sterne: 4 von 5

Dunkle Gewässer (Joe R. Lansdale)

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dunkle gewässerSue Ellen findet die Leiche ihrer Freundin May Lynn. Da niemanden zu interessieren scheint, wie May Lynn gestorben ist, beschließen Sue Ellen und ihre Freunde die hastig beigesetzte Leiche auszugraben, zu verbrennen und die Asche nach Hollywood zu bringen, da May Lynn davon träumte, Schauspielerin zu werden. Dabei entdecken die drei Freunde einen Geldschatz, der aus einem Banküberfall stammt. Plötzlich hängen sich Verfolger in ihre Fersen.

Diese Buchbeschreibung mag skurril klingen, spiegelt aber perfekt wider, was den Leser in „Dunkle Gewässer“ erwartet: einen schwarzhumorigen Abenteuerroman, der mich manchmal an Mark Twains „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ erinnerte. Das mag u.a. daran liegen, da die drei Freunde mit einem Floß reisen und aus den Südstaaten kommen, wo sich Rassisten, korrupte Gesetzeshüter und Wanderprediger tummeln.

Lansdale gelingt es wunderbar, dem Leser einen heruntergekommenen Süden mit seinen skurrilen Einwohnern vor dem geistigen Auge lebendig werden zu lassen. Interessante Figuren bevölkern seinen Roman. Hier werden Freundschaft und Hoffnung lebendig.

„Dunkle Gewässer“ ist ein Stand Alone-Roman. Bisher war mir Joe R. Lansdale nur durch seine Krimis um das Duo Hap Collins und Leonard Pine bekannt. Diese fand ich unterhaltsam, aber der vorliegende Roman gefiel mir noch besser.

Lansdale liebt die direkte Sprache. Seine Figuren reden wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und nehmen kein Blatt vor den Mund. Manch ein Leser mag von der mitunter drastischen Sprache abgestoßen werden, ich fand es erfrischend.

Sterne: 5 von 5

Die leere Wiege (Ruth Dugdall)

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DSCN0702Rose ist angeklagt, den kleinen Luke vorsätzlich getötet zu haben, indem sie ein Feuer legte. Überhaupt scheint ihre Beziehung zu Luke und seiner Mutter von Bessenheit zu zeugen.

Aufgrund des Klappentextes war ich ganz automatisch davon ausgegangen, dass es sich bei Die leere Wiege“ um einen Krimi oder Thriller handelt, aber die allgemeinere Bezeichnung Roman trifft es besser.

Zwar kann das Ende tatsächlich überraschen, aber ansonsten ist dem Leser nach den ersten Kapiteln klar, wie die Handlung im Großen und Ganzen verlaufen wird.

In „Die leere Wiege“ geht es in erster Linie um Roses Seelenleben, ihre Einsamkeit und den daraus resultierenden Aktionen. Man könnte Rose als extrem verletzte Seele bezeichnen. Der Leser hat einerseits Mitleid mit ihr, aber es schleicht sich auch immer ein wenig Abscheu hinein.

Dies ist kein fröhliches Buch. Nahezu jede Figur, die einen Auftritt hat, hat mit mehr oder weniger großen Problemen zu kämpfen. Manche habe nur einen leichten Knacks, andere werde in ihrem Leben wohl nie wieder auf die Beine kommen.

Sterne: 3 von 5