Archiv der Kategorie: 5 Sterne

Rusty Nail (J.A. Konrath)

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Jack Daniels erhält einen anonymen Brief, der einen Film enthält, auf dem gezeigt wird, wie eine Frau gefoltert wird. Alles deutet darauf hin, dass ein Nachahmungstäter unterwegs ist, der den Mörder „The Gingerbread Man“, wie er sich selbst nannte, kopiert.

Nach „Bloody Mary“ geht es mit „Rusty Nail“ weiter. Allerdings sollte man vorher unbedingt den ersten Teil, „Whiskey Sour“, gelesen haben, da sich dieser Thriller auf den Fall des Serienstarts bezieht und natürlich auch verraten wird, wer dort der Täter ist. Leider war dies bei mir nicht der Fall.

Von all den Büchern, die ich bisher von J.A. Konrath gelesen habe, gefiel mir dieses am besten. Ständig ist Action, es gibt eine Wendung nach der anderen. Allerdings ist das Buch auch extrem brutal. Hinzu kommt irrwitziger Humor. Wer nicht darüber lachen kann, wenn ein Folteropfer mit einer Ratte um seinen abgesägten Finger kämpft, der sollte die Finger von diesem Thriller lassen.

Da die Gewalt so überspitzt dargestellt ist und vor allem in den Köpfen der Leser abläuft, hatte ich keine großen Problem damit. Ich werde auf jeden Fall alle weiteren Bücher der Jack Daniels-Reihe lesen.

Sterne: 5 von 5

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Dunkle Gewässer (Joe R. Lansdale)

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dunkle gewässerSue Ellen findet die Leiche ihrer Freundin May Lynn. Da niemanden zu interessieren scheint, wie May Lynn gestorben ist, beschließen Sue Ellen und ihre Freunde die hastig beigesetzte Leiche auszugraben, zu verbrennen und die Asche nach Hollywood zu bringen, da May Lynn davon träumte, Schauspielerin zu werden. Dabei entdecken die drei Freunde einen Geldschatz, der aus einem Banküberfall stammt. Plötzlich hängen sich Verfolger in ihre Fersen.

Diese Buchbeschreibung mag skurril klingen, spiegelt aber perfekt wider, was den Leser in „Dunkle Gewässer“ erwartet: einen schwarzhumorigen Abenteuerroman, der mich manchmal an Mark Twains „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ erinnerte. Das mag u.a. daran liegen, da die drei Freunde mit einem Floß reisen und aus den Südstaaten kommen, wo sich Rassisten, korrupte Gesetzeshüter und Wanderprediger tummeln.

Lansdale gelingt es wunderbar, dem Leser einen heruntergekommenen Süden mit seinen skurrilen Einwohnern vor dem geistigen Auge lebendig werden zu lassen. Interessante Figuren bevölkern seinen Roman. Hier werden Freundschaft und Hoffnung lebendig.

„Dunkle Gewässer“ ist ein Stand Alone-Roman. Bisher war mir Joe R. Lansdale nur durch seine Krimis um das Duo Hap Collins und Leonard Pine bekannt. Diese fand ich unterhaltsam, aber der vorliegende Roman gefiel mir noch besser.

Lansdale liebt die direkte Sprache. Seine Figuren reden wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und nehmen kein Blatt vor den Mund. Manch ein Leser mag von der mitunter drastischen Sprache abgestoßen werden, ich fand es erfrischend.

Sterne: 5 von 5

Méto – Das Haus (Yves Grevet)

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Méto lebt als einer von vielen Jungen in einem Haus, das er noch nie verlassen hat. Er weiß nicht, woher er kommt und was mit ihm passieren wird, wenn er groß ist. Der Tag ist strikt geregelt, alles wird überwacht. Bis sich in Méto Widerstand regt.

Vorab eine kleine „Warnung“. „Méto – Das Haus“ ist der erste Teil einer Trilogie und endet mit einem ziemlich fiesen Cliffhanger. Die Zielgruppe vor allem die männliche Leserschaft.

Diese Dystopie ist besonders für ein Jugendbuch wirklich sehr düster. Aber gerade das hat mir so gut gefallen. Hier wurde die Linie konsequent durchgezogen.

Méto lebt in totaler Überwachung, abgeschnitten von der Außenwelt. Wobei ihm dieses kaum bewusst ist. Zu gut hat die Gehirnwäsche funktioniert. Erst langsam realisiert er, dass seine Lebensumstände nicht wünschenswert sind. Der Leser erfährt von dieser Welt genau so viel, wie Méto selbst weiß. Je mehr Informationen Méto sammelt, desto besser fügt sich das Bild für den Leser zusammen. In meinen Augen hat dies Yves Grevet sehr umgesetzt.

Dadurch ist das Buch sehr spannend. Ich habe es in einem Zug durchgelesen, weil ich wissen wollte, was es mit dem Haus auf sich hat. Da es sich aber um einen Dreiteiler handelt, muss ich warten, bis die nächsten Bücher erscheinen.

„Méto – Das Haus“ ist die beste Dystopie für Jugendliche, die ich seit langem gelesen habe. Da stört es mich auch kaum, dass die für mich brennende Frage, warum gewisse Jungen zu Verrätern wurden, nicht geklärt wurde. Das Buch hat mich so gefesselt, dass ich gerne darüber hinweg sehe.

Wenn ich nur nach dem Cover gegangen wäre, hätte ich das Buch wohl nie gelesen. Das comichafte hätte mich fast abgeschreckt.

Sterne: 5 von 5

Der Knochenbrecher (Chris Carter)

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In L.A. wird in einem verlassenen Schlachthaus eine Frauenleiche gefunden, deren Mund und Vagina zugenäht wurden. Bei der Obduktion wird eine kleine Bombe im Unterleib der Frau gefunden, die explodiert und weitere Todesopfer fordert. Robert Hunter und Garcia ermitteln wieder.

Robert Hunter ist wieder zurück und mit ihm ein besonders kranker Serienmörder. Gerade Frauen werden beim Lesen garantiert mehrmals zusammenzucken. Nicht nur, dass die Morde besonders grausam sind, auch die Art wo und wie der Mörder seine Opfer in seine Gewalt bringt, nährt die Ängste der Leser. Manche Gruselgeschichte, die im Lagerfeuer erzählt wird, wird hier wahr.

Wie bereits bei den beiden vorherigen Thrillern schafft es Chris Carter meisterlich, seine Leser ins Buch zu fesseln. Fast jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, so dass doch noch schnell ein Kapitel gelesen werden muss, obwohl eigentlich längst Schlafenszeit wäre. So sitze ich jetzt hier und schreibe mit müden Augen diese Zeilen.

Wer sich übrigens den deutschen Titel „Der Knochenbrecher“ ausgedacht hat, muss ein ganz anderes Buch gelesen hat. Der Mörder geht zwar in keinster Weise zimperlich mit seinen Opfern um, aber ihre Knochen bricht er ihnen nicht.

Insgesamt gefiel mir „Der Knochenbrecher“ besser als der zweite Teil. Wenn ich eine kleine Kritik äußern muss, dann die, dass Robert Hunter etwas zu perfekte Fähigkeiten als Ermittler hat. Ganz zufällig kann er auch Lippenlesen, was ihm bei diesem Fall mehrmals weiter hilft.

Sterne: 4,5 von 5

Das eiserne Haus (John Hart)

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Mehr als zwanzig Jahre ist es her, dass Michael aus dem Waisenheim floh, in dem er und sein kleiner Bruder Julian lebte. Nachdem Julian einen Jungen getötet hatte, der ihn jahrelang gequält hatte, nahm Michael die Schuld auf sich. Jetzt muss Michael seinen Bruder wieder beschützen, denn der Sohn seines Ziehvaters droht ihn zu töten. Michael findet Julian, doch dieser ist in schlimmer Verfassung. Beide werden von ihrer Vergangenheit eingeholt.

John Hart ist ein Autor, den ich mir unbedingt merken muss. „Das eiserne Haus“ ist sein vierter Roman, der in deutscher Übersetzung erschienen ist.

Dabei hätte ich mich fast von den ersten Kapiteln abschrecken lassen. Denn dieses Buch beginnt wie ein Mafiaroman. Doch dann entwickelt es sich zu einem sehr spannenden Familiendrama und Thriller. Ich war wie gefesselt und habe Das eiserne Haus“ an einem Stück durchgelesen.

Interessanterweise drückt man als Leser einem Killer die Daumen. Denn Michael ist der Ziehsohn eines Schwerstkriminellen und hat viele unliebsame Gegner aus dem Weg geräumt. Dennoch ist er zu tiefen Gefühlen fähig. Er liebt seinen Bruder, seinen Mentor und auch seine Freundin, für die er aus dem Geschäft aussteigen möchte.

Wer einen rasanten Thriller abseits von psychopathischen Serienmördern sucht, ist mit diesem Buch bestens bedient. Auch hier geht es blutig und brutal zu. Es wird gemordet, misshandelt und gefoltert. Gerade die Szenen im Waisenhaus sind schwer zu verkraften.

Gut gefallen hat mir, dass ich lange nicht wusste, wie das Buch enden würde. Dabei meine ich nicht die Lösung des Kriminalfalls, denn hier konnte ich bald zumindest einen Teilaspekt erahnen, sondern die Frage, ob die Hauptfiguren ihren Frieden finden würden.

Sterne: 5 von 5

Die Tigerfrau (Téa Obreht)

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Als Natalia von dem Tod ihres Großvaters erfährt, erinnert sie sich vor allem an die Geschichte, die er gerne erzählte. Von dem Mann, der nicht sterben konnte, aber den Tod seiner Mitmenschen voraussah. Und dann ist da noch die Geschichte von der taubstummen Tigerfrau.

Eigentlich fallen Bücher wie „Die Tigerfrau“ überhaupt nicht in mein Beuteschema. Umso glücklicher bin ich, dass ich dieses Buch doch gelesen habe.

„Die Tigerfrau“ ist ein Buch, auf das man sich Ruhe einlassen muss und nicht einfach nebenbei lesen sollte. Zumindest ging es mir so. Nachdem ich mich zurückgezogen hatte, wuchs mir dieses Buch von Kapitel zu Kapitel mehr ans Herz.

Manche Rezensenten schreiben von Fantasy-Elementen, wenn sie die Geschichten von Natalias Großvater beschreiben wollen, die nicht rational zu erklären sind. Ich würde es einfach als Magie bezeichnen. Téa Obreht verknüpft Mythen und Aberglaube mit der jüngsten Geschichte ihres Heimatlandes Jugoslawien.

Der Schreibstil ist eindringlich und eindrucksvoll. Trotzdem lässt sich das Buch sehr flüssig lesen.

Auch wenn es in „Die Tigerfrau“ mitunter um Tod, Krieg und Gewalt geht, ist dieser Roman ein Wohlfühlbuch. Nachdem ich die letzte Seite umgeblättert hatte, blieb ich mit einem glücklichen Gefühl und einem Lächeln im Gesicht zurück.

Sterne: 5 von 5

Den Mond aus den Angeln heben (Gregory Hughes)

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Als ihr Vater plötzlich stirbt, haben der zwölfjährige Bob und seine kleine Schwester Marie Claire, auch Ratte genannt, Angst, dass sie ins Kinderheim gesteckt werden. Also machen sie sich alleine von Kanada auf den Weg nach New York, wo ihr Onkel leben soll.

Den Mond aus den Angeln heben“ ist ein merkwürdiges, verrücktes und sehr berührendes Buch.

Merkwürdig und verrückt vor allem dank Ratte, dem zehnjährigen Mädchen, das gleichzeitig altklug und naiv ist, doch vor allem in die Herzen der Menschen schauen kann. Die Ratte ist ein kleiner Feldwebel, der die Menschen um den Finger wickelt. Außerdem hat die Ratte manchmal Träume, verbunden mit epileptischen Anfällen, die ihr Ereignisse in der Zukunft zeigen.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Bob, der mitunter an seiner nervigen kleinen Schwester verzweifelt. Bob muss seinen eigenen Kummer herunterschlucken, seine eigenen Probleme beiseite schieben, da er sich verpflichtet fühlt, für die Ratte zu sorgen.

Auf ihrer Reise treffen die beiden Kinder viele Menschen, die einerseits Gauner oder Verbrecher sind, aber das Herz am rechten Fleck haben. Da ist Joe, der Drogendealer, der Bob und die Ratte mit nach New York nimmt und sich um eine Unterkunft für die beiden kümmert. Oder Tommy, der mit kruden Storys Geld von Passanten erschnorrt. Dies sind die Geschichten, die das Buch so anrührend machen, aber auch dafür sorgen, dass das Buch nicht leicht verdaulich ist. Denn neben Freundschaft, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft geht es auch um Pädophile, Tod und Verbrechen. Das Leben ist nicht nur schwarz oder weiß.

Dies zeigt sich auch beim Ende, das mich zu Tränen gerührt hat. Doch für mich ist es kein hoffnungsloses Ende, da sich die Träume der Ratte immer bewahrheitet haben.

Sterne: 5 von 5