Archiv für den Monat Februar 2013

Adieu, Sir Merivel (Rose Tremain)

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adieu sir merivel

 

  • Titel: Adieu, Sir Merivel
  • Originaltitel: Merivel: A Man of his Time
  • Autor: Rose Tremain
  • Verlag: Suhrkamp/Insel
  • Seitenzahl: 446
  • ISBN: 978-3-458-17563-6
  • Kaufmöglichkeit: hier
  • Erscheinungsdatum: 21. Januar 2013

Inhalt:

1683: Sir Merivel ist Arzt, nicht mehr der jüngste und benötigt Geld. Er bitten seinen Freund, den englischen König um ein Empfehlungsschreiben und reist nach Versailles, um am französischen Hof eine Anstellung zu finden.

Rezension:

Die Hauptfigur in „Adieu, Sir Merivel“ ist Robert Merivel, der ein Großteil seines Lebens hinter sich hat und teilweise darauf zurückblickt, aber immer noch lebenslustig und voller Tatendrang ist. Merivel, der sich selbst nicht unbedingt als Adonis beschreibt, ist ein unglaublich liebenswerter Lebemann. Mitunter schildert Rose Tremain durchaus deftige Szenen, wenn Merivel sich mal wieder mit einer Dame amüsiert. Der gute Arzt liebt das gute Leben und ganz besonders die Frauen. Obwohl seine Moral in dieser Beziehung nicht die beste ist, wächst er dem Leser dennoch sehr ans Herz. Denn Merivel hat ein weiches Herz. Er liebt seine Tochter innig, ist mit seinem Diener freundschaftlich verbunden und versucht ein gefangenes Tier zu retten. Doch nicht immer hat er die nötige Konsequenz, um seine Pläne so durchzusetzen, wie er es möchte, denn er hat durchaus seine Schwächen.

Merivel ist bei seinen Mitmenschen aufgrund seines Humors so beliebt. Auch deshalb hat die Freundschaft seines Königs gewonnen. Rose Tremain hat diesen Humor wohldosiert. Hier jagt nicht eine Pointe die andere, sondern verbirgt sich häufig zwischen den Zeilen. Manchmal kann es aber auch deftig zugehen.

„Adieu, Sir Merivel“ ist kein Buch, dass man vor Spannung kaum aus den Händen legen kann. Aber das kann auch kein Leser erwarten. Ich habe es gerne und eifrig gelesen, da ich an Merivals Schicksal und das seiner Mitmenschen Anteil genommen habe.

Ich habe den Eindruck, dass es Rose Tremain gut gelingt, die Sprache der damaligen Zeit wiederzugeben. Nebenbei wird das etwas brach liegende Geschichtswissen über Charles II. und seine Regentschaft aufgefrischt.

Sterne: 4,5 von 5

Vielen Dank an Blogg dein Buch für dieses Rezensionsexemplar.

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Rainshadow Road (Lisa Kleypas)

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Lucy fällt aus allen Wolken, als ihr Freund ihr eröffnet, dass er sich von ihr trennen möchte. Ausgerechnet für ihre Schwester. Glücklicherweise läuft Lucy bald Sam über den Weg, der allerdings kein Interesse an einer festen Beziehung hat.

Rainshadow Road“ ist der zweite Teil der Friday Harbour-Serie. Im ersten Teil, „Christmas Eve at Friday Harbour“ ging es um Mark und Maggie, jetzt ist Marks Bruder Sam dran.

Von Lisa Kleypas‘ ersten Contemporary Romances, wie Sugar Daddy oder Smooth Talking Stranger, war ich absolut begeistert. „Christmas Eve at Friday Harbour“ war dagegen eine relative Enttäuschung. Das vorliegende Buch gefiel mir wieder besser, aber wirklich umhauen konnte es mich nicht.

Dabei sind die Ansätze gut. Ein typische Klippe wird umschifft, d.h. Sam und Lucy haben voreinander keine Geheimnisse, die zu großen Missverständnissen führen könnten, ein Konfliktpotential wird sofort angesprochen.

Sam hat arge Bedingungsprobleme, was er Lucy zu Beginn klar macht. Darauf hätte gut aufgebaut werden können, aber dieses Problem wird meiner Meinung am Ende nach zu schnell und einfach gelöst.

Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass Lisa Kleypas schlussendlich keine große Lust hatte, über Sams und Lucys Beziehung zu schreiben. Dafür, dass die beiden zu Beginn einander umkreisen, kommt das Happy End ziemlich lustlos daher.

Sterne: 3 von 5

Der Atem der Welt (Carol Birch)

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Das fast tödliche Zusammentreffen mit einem Tiger auf den Straßen Londons verändert das Leben des achtjährigen Jaffy Brown für immer. Jahre später heuert er auf einem Segelschiff an, um mit seinem Freund einen Drachen zu fangen.

Carol Birch bedient sich einer bildhaften Sprache, die vielleicht jedem liegt. Da sie aber nicht blumig ist, gefiel mir ihr Schreibstil sehr gut. Die Autorin schafft es beispielsweise wunderbar, das London des 19. Jahrhunderts lebendig werden zu lassen.

Dabei schreibt sie aus der Sicht eines Jungen, der in den Slums aufgewachsen ist. Obwohl Jaffy keine einfache Kindheit hat, beschwert er sich nicht, sondern saugt die Wunder, die er erlebt, in sich auf.
So toll der kleine Jaffy beschrieben ist, so viele Probleme hatte ich manchmal den älteren Jaffy als jungen Erwachsenen zu sehen. Mir kam er meist noch wie der Träumer von damals vor.

Ein Großteil der Handlung dreht sich um die Schiffsreise, die Jaffy als Teenager macht. Besonders in der zweiten Hälfte des Romans sind teils starke Nerven gefragt. Den Grund verrate ich natürlich nicht.

Der Atem der Welt“ ist ein spannender und berührender Abenteuerroman.

Sterne: 4 von 5

Mary, Tansey und die Reise durch die Nacht (Roddy Doyle)

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maryMarys Großmutter liegt im Krankenhaus im Sterben. Da lernt Mary ihre neue vermeintliche Nachbarin kennen, die sich aber als ihre verstorbene Urgroßmutter entpuppt.

Wie lindert man bei einem Kind die Schmerzen, wenn ein geliebtes Familienmitglied stirbt? Dieses Buch könnte vielleicht dabei helfen.

Einfühlsam, aber auch teilweise humorvoll, aber immer liebevoll schildert Roddy Doyle wie die zwölfjährige Mary mit dem bevorstehenden Tod umgehen lernt und dabei noch einiges über die Frauen in ihrer Familie erfährt.

Doch obwohl es hier ums Sterben geht, drückt „Mary, Tansey und die Reise durch die Nacht“ nicht auf die Tränendrüse, sondern gibt Lebensmut.

Mary selbst ist ein kleine Göre, etwas vorlaut, aber durchaus liebenswert.

Dieses Buch ist in erster Linie für Jugendliche. Dank der großen Schrift und der etwas mehr als 230 Seiten ist es schnell durchgelesen.

Sterne: 3,5 von 5

Torstraße 1 (Sybil Volks)

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torstraßeAnfang des 20. Jahrhunderts wird Elsa in dem Kaufhaus Jonass geboren. Ihr Schicksal bleibt über die Jahrzehnte mit dem Gebäude, das die Geschichte Berlins widerspiegelt, verbunden.

„Torstraße 1“ ist die Adresse eines ehemaligen Kaufhauses, das tatsächlich in Berlin steht und eine wechselhafte Historie hinter sich hat. Die ersten Besitzer sind eine jüdische Familie, die von den Nazis vertrieben wurden. Später wurde es zum Haus der Einheit, Sitz des ZK der SED. Also der perfekte Ort, um Deutschlands jüngere Geschichte spannend und unterhaltsam zu erzählen.

Im Mittelpunkt stehen Elsa und ihr bester Freund Bernhard, die beide zufällig am gleichen Tag geboren wurden. Immer wieder trennt das Schicksal sie, nicht zuletzt die Mauer durch Berlin. Doch auch ihre Kinder sind miteinander verbunden.

Allerdings hat mir die erste Hälfte besser als die zweite gefallen. Gerade zum Ende hin wurden die Familien von Elsa und Bernhard immer größer, so dass es immer schwieriger wurde, den Überblick zu behalten und sich vor allem mit den Figuren zu identifizieren.

Wer gerne Familienromane liest und Interesse an deutscher Geschichte hat, dürfte mit „Torstraße 1“ nicht falsch liegen.

Sterne: 4 von 5

Department 19 – Die Mission (Will Hill)

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deparment 19Vor mehreren Jahren musste Jamie miterleben, wie sein Vater von schwarzgekleideten Männern erschossen wurde. Aber nach einem Vampirangriff erfährt Jamie plötzlich von der geheimen Regierungsorganisation Schwarzlicht, für die sein Vater arbeitete. Diese Organisation bekämpft das übernatürliche Böse.

Endlich mal wieder ein Buch über Vampire, in dem es ziemlich blutig zugeht. Sogar überraschend blutig, wenn man bedenkt, dass es sich hier um ein Jugendbuch handelt. Dennoch bin ich der Meinung, dass Teenager diesen Roman ohne große Bedenken lesen können.

Über „Department 19“ liegt ein leichter Hauch alter Horrorromane wie „Frankenstein“ oder „Dracula“. Das liegt natürlich auch daran, dass Bram Stoker und Frankensteins Monster ihre Auftritte haben.

Jamie selbst ist ein kleiner Alleskönner. Als Jugendliche hätte ich das geliebt, jetzt finde ich es mitunter etwas anstrengend.

Als Thriller würde ich „Department 19“ nicht bezeichnen. Zwar ist es spannend, aber auch ein wenig vorhersehbar. Dennoch fühlte ich mich gut unterhalten.

„Department 19“ ist auf mehrere Teile ausgelegt. So endet dieses Buch mit einer Szene, die Lesern, die Spaß an diesem Roman hatte, sicherlich auf eine baldige Fortsetzung hoffen lassen.

Sterne: 3,5 von 5