Archiv für den Monat November 2012

Das späte Geständnis des Tristan Sadler (John Boyne)

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tristanEngland, 1919: Tristan Sadler reist nach Norwich, wo er die Schwester seines verstorbenen Freundes Will trifft und von ihrer gemeinsamen Zeit an der Front während des Krieges zu berichten. Doch Tristan hat ein Geheimnis, das er erst spät enthüllt.

Auch wenn es eine Weile gedauert hatte, bis mich das Buch so richtig gepackt hatte, war es vor allem der leichte und elegante Schreibstil John Boynes, der mich eifrig weiter lesen ließ.

Zuerst hatte ich den Eindruck, dass die Handlung einer gewissen vorhersehbaren Routine entsprach, in der es um Ideale, Zurückweisung und Einsamkeit ging. Doch im letzten Drittel wurde ich eines Besseren belehrt. Spätestens da hatte mich das Buch endgültig gepackt.

Vorher hatten mich schon die Schilderungen des Krieges sehr berührt. Hier treten die unterschiedlichsten menschlichen Eigenschaften wie Prinzipientreue, Idealismus, Mut, Feigheit oder einfach nur blinder Gehorsam zutage.

John Boyne zeigt, dass es nicht einfach nur Schwarz oder Weiß gibt. Manche Taten und Handlungen haben Hintergründe, die diese zwar nicht entschuldigen, aber verständlicher machen.

Sterne: 4 von 5

Schattengrund (Elisabeth Herrmann)

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  • Titel: Schattengrund
  • Autor: Elisabeth Herrmann
  • Verlag: cbt
  • Seitenzahl: 412
  • ISBN: 978-3-570-16126-5
  • Kaufmöglichkeit: hier
  • Erscheinungsdatum: 12. November 2012

Inhalt:

Nicola soll das Haus ihrer verstorbenen Tante erben, doch ihre Eltern schlagen das Erbe für sie aus. Da Nico bald achtzehn wird, beschließt sie heimlich in das Dorf im Harz zu reisen, um „Schattengrund“ und dessen Geheimnis zu lüften. Da es Winter ist, ist sie bald eingeschneit und muss feststellen, dass die Einheimischen ihr mit Hass begegnen. Es gilt ein Geheimnis zu lüften.

Rezension:

„Schattengrund“ ist ein Thriller für Jugendliche, der aber auch Erwachsenen Spannung garantiert. Aufgrund des Covers hätte ich nicht unbedingt ein Jugendbuch erwartet. Die Autorin Elisabeth Herrmann hat vor allem durch „Die Zeugin der Toten“ einer größeren Leserschaft bekannt, ich hatte aber noch keine Gelegenheit, dieses Buch zu lesen.

Ein Grund, warum „Schattengrund“ spannend ist, ist die Stimmung, die Elisabeth Herrmann geschaffen ist. Die Dorfatmosphäre ist bedrückend. Die Bewohner von Siebenlehen sind abweisend bis offen aggressiv. Hierzu kommt der Schnee, der scheinbar alles zudeckt und dämpft. Wenn dann noch die Nacht einbricht, wird es es unheimlich.

Lange hat der Leser keinen Schimmer, was wirklich passiert ist, als Nico das letzte Mal in Siebenlehen war. Erst nach und nach fügen sie die Mosaiksteinchen zusammen, wobei immer wieder falsche Fährten gelegt werden. Mitunter fragt sich der Leser, ob nicht sogar übernatürliche Kräfte am Wirken sind.

Nico ist eine sympathische Hauptfigur mit kleinen Macken, die aber nicht nervt, weil sie beispielsweise nicht zu doof für diese Welt oder zu neunmalklug ist. Da sie bereits achtzehn ist, können sich auch erwachsene Leser etwas besser mit ihr identifizieren als mit einer Vierzehn- oder Fünfzehnjährigen. Zumindest scheint sie recht reif zu sein.

Bis auf kleine Längen zwischendurch ist „Schattengrund“ bis zum Ende spannend.

Wenn ich eine Kritik anbringen darf, dann ein Punkt, der überhaupt keinen Einfluss auf die Handlung hat, mich aber doch ein klein wenig störte. Nico wird in dem Buch als Fräulein angesprochen. Wird das überhaupt noch verwendet? Selbst als ich noch zur Schule ging, benutzten Lehrer diese Anrede nicht mehr.

Sterne: 4 von 5

Vielen Dank an Blogg dein Buch für dieses Rezensionsexemplar.

In the Blood (Jack Kerley)

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Ein bekannter Fernsehprediger wird tot in einem Hotelzimmer gefunden. Offensichtlich hatte er vorher S&M praktiziert. Carson Ryder und Harry Nautilus ermitteln. Dann wird ein Baby halbtot mit einem kleinen Boot angeschwemmt.

„In the Blood“ ist der fünfte Teil der Carson Ryder-Reihe und wurde leider nicht ins Deutsche übersetzt. Während Jeremy, Carsons psychopathischer Bruder, im vierten Teil eine Hauptrolle spielte, ist er hier abwesend.

Wie bei Jack Kerleys Büchern üblich, wird kein atemberaubendes Tempo vorgelegt, sondern die Polizeiarbeit von Carson und Harry geschildert. Manchen Lesern dürfte dieses ggf. zu gemächlich sein, mir gefällt es.

Auch wenn der Eindruck entsteht, dass Kerley mit dem ermordeten Geistlichen, der Wasser predigt und Wein trinkt, ein typisches Klischee liefert, gibt es am Ende in dieser Hinsicht eine wohltuende Überraschung. Überhaupt konnte das Ende einigermaßen überraschen, was bei Thrillern natürlich wichtig ist.

Auch wenn meine Lieblingsfigur Jeremy keinen Auftritt hatte, hat mich „In the Blood“ gut unterhalten.

Sterne: 4 von 5

Earth Girl (Janet Edwards)

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Jarra lebt Ende des 3. Jahrtausends. Den Menschen ist es mittlerweile möglich, mit Hilfe von Portalen andere Welten zu bereisen bzw. dort zu leben. Doch Jarra hat einen genetischen Defekt, der es ihr nicht erlaubt, die Erde zu verlassen. Doch ihr Traum ist es, die Geschichte ihrer Vorfahren zu studieren. Dafür verheimlicht sie ihre Identität, denn die sogenannten Behinderten werden als nicht vollwertig angesehen.

Die Figur Jarra dürfte nicht Jedermanns Sache sein. Sie hat ihren eigenen Kopf und scheut sich nicht, ihre Meinung lauthals zu verkünden. Mir hat sie Spaß gemacht, auch wenn sie manchmal sehr anstrengend und neunmalklug sein konnte. Im Laufe der Handlung entwickelt sie sich weiter und wird umgänglicher. Generell würde ich interessierten Käufern die Leseprobe empfehlen, damit sie sich einen ersten Eindruck von Jarra machen und selbst entscheiden können.

Janet Edwards hat eine interessante und auch schlüssige Welt geschaffen. Allerdings übertreibt sie es manchmal mit der Menge an Information, die in einem Zug geliefert wird. Das kann durchaus anstrengend sein. Faszinierend fand ich jedoch ihre Beschreibung der Ausgrabungsstätte New York mit den verlassenen Wolkenkratzern.

Die obligatorische Liebesgeschichte ist nett, hätte aber auch durchaus leidenschaftlicher sein können.

Momentan sind Dystopien sehr in. „Earth Girl“ zeichnet jedoch ein eher positives Bild von der Zukunft. Die Menschen leben mehr oder weniger friedlich miteinander, Krieg gibt es keinen.

Auch wenn für „Earth Girl“ bereits eine Fortsetzung geplant ist, kann dieses Buch für sich allein gelesen werden.

Sterne: 4 von 5

The Woodcutter (Kate Danley)

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Der Woodcutter hat die Aufgabe, die Bewohner der zwölf Königreiche zu beschützen. Eines Tages trifft er auf eine Tote in Glasschuhen. Kurze Zeit darauf werden ein rot gekleidetes Mädchen und ihre Großmutter getötet. Für den Woodcutter beginnt eine gefährliche Reise durch die Königreiche.

Die Idee, bekannte Märchen in einem Fantasyroman zu verarbeiten, klang vielversprechend. Entsprechend groß waren meine Erwartungen, die zusätzlich von dem tollen Cover genährt wurden. Allerdings wurden diese Erwartungen nicht vollständig erfüllt.

In „The Woodcutter“ tauchen tatsächlich eine Menge von Märchen auf. Die bekanntesten sind von den Gebrüder Grimm, aber die russische Märchenfigur Baba Jaga treibt ihr Unwesen. Hinzu kommen nordische Götter.

Also eigentlich die perfekten Voraussetzungen. Aber gerade zu Beginn schafft es Kate Danley nicht, eine Geschichte zu entwickeln, die sich harmonisch zusammenfügt. Nach und nach treten die Märchenfiguren auf, aber genau so schnell verschwinden sie meist wieder. Erst in der zweiten Hälfte hatte ich den Eindruck, dass sich ein stimmiges Ganzes bildete. Dann schaffte es das Ende auch, mich zu berühren.

Insgesamt hat mich „The Woodcutter“ aber ein wenig unzufrieden zurückgelassen, da das Buch eindeutig mehr Potential hatte.

Sterne: 3 von 5

A Walk in the Park (Jill Mansell)

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Nach 18 Jahren kehrt Lara nach Bath zurück. Als Sechzehnjährige wurde sie von ihrem Vater vor die Tür gesetzt. Auf der Hochzeit ihrer besten Freundin trifft Lara ihren damaligen Freund Flynn wieder.

Mit „A Walk in the Park“ erfindet Jill Mansell keine sensationell neue Geschichte, bietet aber gute und auch teilweise humorvolle Unterhaltung. Wie immer geht es um mehrere Hauptpersonen, die auf der Suche nach dem Glück sind.

Bei dem im Mittelpunkt stehenden Paar handelt es sich um Lara und Flynn. Ihre Geschichte beginnt interessant, flacht aber in der Mitte des Buchs etwas ab, um dann am Ende wieder Fahrt aufzunehmen. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, Jill Mansell hätte sie etwas aus dem Auge verloren.

Trotz allem gibt es immer wieder ein paar kleine Überraschungen, die das Buch so lebenswert machen. Da ist Harry, der mehr oder weniger freiwillige Promotion für einen Rapper macht. Oder Laras Familiengeschichte.

Insgesamt ist „A Walk in the Park“ guter Durchschnitt. Es gibt zwar einige Bücher von Jill Mansell, die mir besser gefallen haben, aber ich musste mich über keine der Figuren ärgern.

Sterne: 3 von 5

An und für Dich (Ella Griffin)

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  • Titel: An und für Dich
  • Autor: Ella Griffin
  • Originaltitel: Postcards from the Heart
  • Verlag: KiWi
  • Seitenzahl: 477
  • ISBN: 978-3-462-04416-4
  • Kaufmöglichkeit: hier
  • Erscheinungsdatum: 16. August 2012

Inhalt:

Seit sechs Jahren ist Saffy mit dem Schauspieler Greg zusammen. Zum Valentinstag ist sie davon überzeugt, dass er ihr einen romantischen Heiratsantrag machen wird. Doch Greg hat ganz andere Pläne…

Rezension:

Mit ihrem ersten Buch liefert die irische Autorin Ella Griffin einen unterhaltsamen und turbulenten Chick-Lit-Roman ab.

Im Mittelpunkt steht Saffy, die sowohl privat als auch beruflich einige Turbulenzen durchmacht. Saffy, die darunter leidet, dass sie nie ihren Vater kennenlernte, ist nicht mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein gesegnet. So kommt es dann auch, dass sie in der Beziehung mit Greg meist den kürzeren zieht.

Greg selbst ist kein wirklich schlechter Kerl, aber nicht der Hellste. Trotz diverser missglückter Aktionen konnte ich ihm nicht wirklich böse sein, er tat mir meist nur leid.

Weitere wichtige Personen in diesem Roman sind Conor und Jess, ein Paar, das zu Beginn zwar arm, aber glücklich ist. Trotzdem ziehen dunkle Wolken am Horizont auf.

Wer einen „normalen“ Liebesroman erwartet, wird hier aber enttäuscht. Viel eher dürften Leserinnen von Jill Mansell oder Paige Toon auf ihre Kosten kommen.

Während am Anfang noch der Eindruck entsteht, es handle sich um einen reinen Liebesroman, merkt im Laufe der Handlung, dass es um viel mehr geht. Saffy lernt viel über sich selbst, ihre wirklichen Wünsche und ihre Familie.

Leider fand ich die Figur Joe, die erst etwas später auftaucht, ein wenig zu blass. Insbesondere im Vergleich mit Greg konnte er mich nicht ganz überzeugen.

„An und für dich“ ist manchmal humorvoll, manchmal traurig. Auf jeden Fall ist dieses Buch durchgehend unterhaltsam. Nie wird es dem Leser langweilig.

Sterne: 4 von 5

Vielen Dank an Blogg dein Buch für dieses Rezensionsexemplar.