Archiv für den Monat September 2012

Wenn die Nacht verstummt (Linda Castillo)

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Jede Hilfe kommt zu spät. Drei Mitglieder der örtlichen Amishgemeinde werden tot aus einer Jauchegrube geborgen. Polizeichefin Kate Burkholder vermutet bald, dass es sich nicht um einen Unfall handelt, sondern die Todesfälle mit den weiteren Anschlägen auf Gemeindemitgliedern zusammenhängen.

Wenn die Nacht verstummt“ ist der dritte Teil um Kate Burkholder. Den ersten Teil habe ich noch nicht gelesen, der zweite gefiel mir gut. Den aktuellen Roman würde ich jedoch nur als Durchschnitt bezeichnen und hoffe, dass Linda Castillo beim folgenden Buch einen Zahn zulegt.

Als Thriller hätte ich „Wenn die Nacht verstummt“ nicht bezeichnet, eher als Krimi. Denn so wirklich rasant und nervenzerrend ist der neueste Fall nicht. Die Handlung plätschert zum Großteil nur so dahin.

In Kates Privatleben tut sich ebenfalls nicht viel. Ihre Beziehung zu John Tomasetti entwickelt sich nicht groß weiter. Dafür scheint Kate zu akzeptieren, dass sie ein kleines Alkoholproblem hat. Es bleibt abzuwarten, welches Konfliktpotential sich hier für die weiteren Bücher ergibt.

Die Frage, wie realistisch es ist, dass so viele Morde in einer Amishgemeinde geschehen, darf sich der Leser lieber nicht stellen. Ich denke, Linda Castillo muss beim nächsten Buch ihre Hauptfiguren einen kleinen Ausflug machen lassen, damit die Glaubwürdigkeit nicht zu sehr verloren geht.

Sterne: 3 von 5

Ausgeliehen (Rebecca Makkai)

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Lucy ist Bibliothekarin. Einer ihrer eifrigsten Kunden ist der zehnjährige Ian, der in einer streng religiösen Familie aufwächst. Eines Tages entdeckt Lucy Ian in der Bibliothek, wo er sich vor seinen Eltern versteckt hat. Er „überredet“ Lucy, mit ihm zu fliehen. Eine Reise durch die USA beginnt.

Vermutlich hätte „Ausgeliehen“ einen Stern weniger bekommen, wenn ich es nicht als Hörbuch gehört hätte. Doch Ulrike Grote liest Rebecca Makkais Roman so gut und mitreißend, dass ich daran richtig meinen Spaß hatte. Besonders die Interpretation von Ian fand ich sehr gelungen.

Beim Roman selbst bin ich etwas zwiegespalten. Rebecca Makkai hat ein interessantes Thema aufgegriffen und man merkt ihr an, dass sie mit großer Leidenschaft für mehr Toleranz plädiert. Während es natürlich schrecklich ist, wenn Eltern aufgrund ihres Glaubens und eines Verdachts, dass der Sohn homosexuell sein könnte, ihr Kind mit allen Mitteln „umerziehen“ möchten, haben mich aber auch die toleranteren Figuren irritiert. Ian ist zehn Jahre alt und bereits jetzt sind fast alle der Meinung, er könnte homosexuell sein. Die Indizien hierfür sind Freude am Lesen und Theaterspielen sowie die Tatsache, dass Ian lieber Mädchen zu seiner Geburtstagsfeier einladen.

Auch sonst hatte ich das Gefühl, dass die Handlung etwas an den Haaren herbeigezogen ist. Wenig überzeugend fand ich, dass Ian Lucy so leicht erpressen kann, mit ihm durch die USA zu reisen.

Trotz dieser Kritikpunkte fand ich „Ausgeliehen“ unterhaltsam und blieb immer bei der Stange, da ich wissen wollte, wie Lucy und Ian die Kurve kriegen. Und trotz des ernsten Hintergrunds gab es immer wieder einige humorvolle Szenen, besonders durch Ian verursacht, der ein ziemliches Schlitzohr sein kann.

Sterne: 3,5 von 5

Bestialisch (Jack Kerley)

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Die Psychiaterin Dr. Evangeline Prowse wird in New York grausam ermordet. Ihr Patient, der überführte Serienmörder Jeremy Ridgecliff, konnte aus ihrer Klinik entkommen. Detective Carson Ryder, der Jeremys Bruder ist, reist nach New York, um dort zu ermitteln.

Während ich „Den Wölfen zum Fraß“ eher durchschnittlich fand, ist der vierte Teil der Reihe, „Bestialisch“, wieder sehr spannend. Das liegt u.a. auch daran, dass Jeremy wieder eine Rolle spielt, quasi eine Hauptrolle.

Es sind Jermey und seine Beziehung zu seinem Bruder Carson, die dieses Serie von anderen Thrillern abhebt. Der Leser erfährt im Laufe der Handlung über Jeremy, sein Innenleben und seine Triebfedern. Am Ende wartet eine große Überraschung.

Manchmal hätte ich ein wenig kritisieren können, dass die Motivation für die Morde konstruiert wirkt, aber tatsächlich beruht Jack Kerleys Idee für das Buch auf einer realen Tötungsserie.

Wer auf der Suche nach einem neuen Plot im Thrillergenre ist, sollte diese Reihe von Jack Kerley ausprobieren. Der Schreibstil ist gut, die Handlung spannend, die Figuren sind interessant und ab und an blitzt Humor durch. Der Titel „Bestialisch“ ist allerdings reißerischer als die tatsächlicher Handlung. Jack Kerley ist kein Cody McFadyen. Er suhlt sich nicht darin, die Mordszenen extrem brutal und blutig zu beschreiben und auszuschmücken.

Sterne: 4,5 von 5

The Savage Grace (Bree Despain)

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Um Grace zu retten verwandelte sich Daniel in einen Wolf. Jetzt kann er nicht mehr zurück. Grace mit sich auf die Suche nach einem Heilmittel.

The Savage Grave“ ist der letzte Teil der Dark Divine-Trilogie und beginnt dort, wo „The Lost Saint“ mit einem Cliffhanger endete.

Der zweite Teil hatte mir vor allem deswegen nicht so gut gefallen, weil mir Grace mit ihren Alleingängen manchmal ziemlich auf die Nerven ging. Hier ist sie wieder die alte Grace, wie wir sie im ersten Teil kennengelernt hatten.

Wie zu erwarten läuft es am Ende auf einen großen Showdown hinaus. Zum Schluss konnte mich Bree Despain sogar richtig überraschen. Ich hätte nicht erwartet, dass sie diesen (schmerzhaften) Schritt gehen würde.

Der christliche Glaube spielt auch hier wieder ein große Rolle, schließlich ist Grace die Tochter eines Geistlichen. Aber ich fühlt mich nicht bedrängt und hatte auch nicht den Eindruck, dass Bree Despain mich missionieren wollte.

Sterne: 4 von 5

Rescue Me (Rachel Gibson)

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Nach vielen Jahren kehrt Sadie Jo in ihre texanische Heimatstadt zurück. Sie ist als Brautjungfer auf eine Hochzeit eingeladen. Auf dem Weg trifft sie Vince Heaven, ein Ex-SEAL, dessen Auto liegengeblieben ist.

Vince hatte seinen ersten kleinen Auftritt bereits in „Any Man of Mine“, da er der Bruder von Autumn Heaven ist. In „Recue Me“ spielt Autumn dann ebenfalls eine kleine Rolle.

Das neueste Buch von Rachel Gibson begann verheißungsvoll. Beim ersten Aufeinandertreffen von Sadie Jo und Vince sprühen die Funken. Doch dann flaut die Handlung immer weiter ab.

Viel gemeinsame Zeit verbringen Sadie Jo und Vince nicht. Vor allem Sadie Jo ist viel mehr mit ihren Familienproblemen beschäftigt.

So mag also der letzte Funke nicht überspringen. Schade ist außerdem, dass das Ende sehr überhastet wirkt. So ist Vinces Kehrtwende nicht sehr überzeugend.

Ab und an blitzt der Humor, den ich bei Rachel Gibson so schätze, durch. Doch insgesamt wirkt „Rescue Me“ eher bedrückend.

Sterne: 3 von 5

Verachtung (Jussi Adler-Olsen)

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Ein alter, ungelöster Fall landet wieder im Sonderdezernat Q. Vor über zwanzig Jahren verschwand eine Prostituierte spurlos. Die Polizei ging von Selbstmord aus. Doch Carl Mørck und sein Team entdecken, dass zur gleichen Zeit weitere Menschen nicht mehr heimkehrten. Besteht hier ein Zusammenhang?

Bei der Reihe um das Sonderdezernat Q habe ich mir schon mehrmals gewünscht, dass Jussi Adler-Olsen seine Bücher in Englisch verfassen oder ich so gut Dänisch verstehen würde, dass ich die Bücher im Original lesen könnte und nicht auf die Übersetzung warten müsste.

Mit „Verachtung“ hat Jussi Adler-Olsen zwar keinen Thriller geliefert, der mich vor Nervenanspannung an den Fingernägeln kauen ließ, dafür aber sehr berührte. Im Mittelpunkt steht eine Frau, der großes Unrecht angetan wurde. Besonders erschütternd ist, dass dieses Unrecht Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts kein Einzelfall war. Ich möchte hier allerdings nicht mehr verraten.

Während es keinen nervenaufreibenden Wettlauf mit der Zeit gibt, erklären Kapitel mit Rückblenden in die Vergangenheit, wie und warum die Vermissten verschwunden sind. So ist der Leser immer besser auf dem Laufenden als Carl, Assad und Rose, die sehr lange keinen Zusammenhang erkennen.

Carl selbst muss sich zusätzlich mit weiteren Problemen herumschlagen. Der Fall, bei dem ein Kollege ermordet und ein anderer, sein Freund Hardy, querschnittsgelähmt wurde, lässt ihm keine Ruhe. Es kommen neue interessante Beweise zutage.

Wie immer sind es die Figuren, die Jussi Adler-Olsens Bücher für mich so lesenswert machen. Carl ist einfach ein Unikat mit einem ganz besonderen „Charme“. In Assads und Roses Vergangenheit kommt etwas mehr Licht.

Eigentlich bin ich kein Fan von Ein-Wort-Titeln, aber dieses Mal ist der Titel mit „Verachtung“ gut gewählt und ich werde ihn mir ausnahmsweise merken können.

Jussi Adler-Olsen ist es wieder gelungen, ein ungewöhnliches Thema zu wählen und spannend und bewegend aufzuarbeiten. Ich habe diesen Thriller kaum aus der Hand gelegt, da mich die geschilderten Schicksale sehr bewegt haben.

Sterne: 4,5 von 5

Dann klappt’s auch mit dem Doktor (Caroline Lenz)

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Anna Plüm ist Kinderärztin im Krankenhaus und ist glücklich, als sie ihre eigene Ambulanz erhalten soll. Wenn da nicht der pullundertragende Psychologe Dr. Nils Denner wäre…

Dann klappt’s auch mit dem Doktor“ ist ziemlich pink. Nicht nur äußerlich (rosa Cover, rosa Herzchen auf dem Schnitt), auch die Hauptfigur Anna liebt es pink, idealerweise mit viel Glitzer. Caroline Lenz hat ihren Spaß daran, die Klischees zu bedienen. Aber das ist so humorvoll und auch teilweise bissig, dass es wirklich Laune macht.

Political Correctness wird hier zum Glück nicht immer groß geschrieben. Die Ambulanz für Adipositaskranke heißt beispielsweise Moby Fit. Wer sich an solchen Scherzen stößt, sollte ggf. die Finger von „Dann klappt’s auch mit dem Doktor“ lassen. Andere Leser dürften aber herzlich darüber lachen können, da es sich nicht bösartig, sondern mit einem Augenzwinkern geschrieben ist.

In „Dann klappt’s auch mit dem Doktor“ geht es um Annas Liebeslieben und ihren Alltag im Krankenhaus. Dort wird getrascht, geklatscht und nebenbei Patienten behandelt. Nicht selten werden skurrile Szenen mit liebestollen, intriganten Ärzten oder überdrehten Eltern beschrieben.

Zusätzlich muss sich Anna mit ihrer ignoranten Mutter und einer älteren Nachbarin, die das ganze Haus terrorisiert, rumschlagen. Ich muss gestehen, dass mir die Mutter extrem auf den Geist gegangen ist und ich nicht verstanden habe, warum Anna nicht einfach immer sofort die Telefonate beendete.

Die Liebesgeschichte war ganz niedlich, auch wenn es mich störte, wie häufig Nils Anna vorwarf oberflächlich zu sein. Das hat ihm gleich einige Minuspunkte gekostet.

Fazit: „Dann klappt’s auch mit dem Doktor“ hat mich positiv überrascht. Dieser Roman bietet mehr als nur eine Liebesgeschichte, sondern auch viel Humor.

Sterne: 4 von 5