Shades of Grey (E.L. James)

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Für alle Leser, die überraschenderweise noch nichts von diesem Buch gehört haben, hier eine kurze Inhaltsangabe: Die unschuldige Studentin Anastasia Steele ist von dem Millionär Christian Grey fasziniert. Doch anstatt der erhofften Beziehung bietet er ihr einen BDSM-Vertrag an, in dem er die dominante Rolle übernimmt.

Nach dem ganzen (sicherlich marketinggesteuerten) medialen Trubel um dieses Buch hatte ich einen schockierenderen Roman erwartet. Doch die skandalösen Überraschungen hielten sich in Grenzen.
Sicher, BDSM ist kein Thema, das normalerweise bei Kaffeekränzchen diskutiert wird, aber es gibt garantiert härtere Romane dieser Art.
Selbst die Zahl der Sexszenen hält sich für einen 600-seitigen Erotikroman in Grenzen. Wer beispielsweise die Meredith Gentry-Reihe von Laurell K. Hamilton gelesen hat, weiß, was ich meine.

Shades of Grey“ ist kein literarisches Meisterwerk, aber es hat mich bestens unterhalten und ich hatte das Buch in Windeseile durch. Ich könnte mich theoretisch lang und breit sprachliche Wiederholungen und bildliche Klischees auslassen, aber das trifft auf so einige Bücher, die auf den Bestsellerlisten stehen, zu.
Wichtig ist, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte und mit beiden Hauptfiguren mitgefiebert habe. Zwischendurch musste ich sogar beim Lesen des Emailverkehrs zwischen Ana und Christian schmunzeln. Dank des Cliffhangers am Ende habe ich mir bereits den zweiten Teil der Reihe bestellt.
Trotz allem habe ich ein paar Kritikpunkte. Anas teilweise extreme Naivität ging mir manchmal ziemlich auf die Nerven. Welche 23-jährige hat noch nie von Blümchensex gehört? Außerdem, welche Literaturstudentin, die nicht am Hungertuch nagt, besitzt keinen eigenen PC?

Einige Kritiker tun so, als sei es der Untergang des Abendlandes, weil so viele Frauen begeistert diesen Roman lesen. Doch besteht wirklich die Gefahr, dass alle Leserinnen nun zu devoten Frauchen werden? Meiner Meinung garantiert nicht. Obwohl ich fasziniert am lesen war, habe ich immer innerlich die Faust in der Tasche geballt, wenn ich „devot“ oder „Sub“ las.
„Shades of Grey“ ist doch tatsächlich eine verschärfte Variante eines beliebten Themas in Liebesromanen. Da ist der emotional beschädigte Mann, der durch die Liebe zu einer Frau geheilt wird. Denn darauf läuft es doch sicherlich auch bei dieser Reihe hinaus. Und lesen wir nicht solche Märchen immer wieder gerne?
Allerdings gehe ich stark davon aus, dass alle im Buch gelieferten Erklärungen, warum Christian so verkorkst ist, auf Küchenpsychologie beruhen.

Bekannterweise entstand „Shades of Grey“ als Fanfiction zu Twilight. Ich habe zwar nur die ersten beiden Bücher der Vampirreihe gelesen, kann aber keine enormen Parallelen erkennen, die nicht auch auf andere Liebesromane zutreffen würden. Allerdings ist Christian wie Edward ein Stalker. Während dies in Twilight romantisch verbrämt wird, wird in „Shades of Grey“ ehrlich zugegeben, dass dies Züge eines Kontrollfreaks sind. Einen Christian Grey würde ich im realen Leben nicht geschenkt haben wollen.

Ich kann verstehen, wenn Lesern dieses Buch überhaupt nicht gefällt, sei es wegen des Inhalts oder des Schreibstils. Wer weiß, an einem anderen Tag hätte ich eventuell auch viel mehr daran auszusetzen gehabt. So hatte ich aber meinen Spaß beim Lesen, quasi Guilty Pleasure.

Sterne: 3,5 von 5

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