Archiv für den Monat Juli 2012

Knochenfinder (Melanie Lahmer)

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  • Titel: Knochenfinder
  • Autor: Melanie Lahmer
  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Seitenzahl: 462
  • ISBN: 978-3-404-16669
  • Kaufmöglichkeit: hier
  • Erscheinungsdatum: 16. Mai 2012

Inhalt: 

Ein Jugendlicher verschwindet. Natascha Krüger und ihr Kollegen von der Polizei ermitteln, ob René von zuhause abgehauen ist oder ob ein Gewaltverbrechen vorliegt. Parallel dazu finden Geocacher jeweils einen Daumen und einen Zeigefinger in einem Versteck. Hängen die Funde mit Renées Verschwinden zusammen?

Rezension:

Mit ihrem ersten Krimi „Knochenfinder“ gewann Melanie Lahmer ein Stipendium der Kunststiftung NRW. Tatsächlich ist dieser Kriminalroman für ein Debüt ziemlich gut und spannend.

Geocaching scheint das neue Thema in Krimis und Thrillern zu sein. Das ist der zweite Roman dieser Art, in dem der Täter in der Geochaching-Szene unterwegs ist. Für mich ist dieses Thema noch ziemlich neu und unverbraucht, so dass ich daran viel Spaß habe.

Melanie Lahmer nimmt sich die Zeit, ihre Figuren und ihr Leben ausführlich zu beschreiben. So werden Natascha und ihr Umfeld lebendig, der Leser hat die Möglichkeit emotional mitzugehen. Im Mittelpunkt steht die junge Kommissarin Natascha, deren Antrag, von der Provinz nach Köln versetzt zu werden, abgelehnt wurde. Jetzt muss sie sich also mit dem Siegerland zufrieden geben. Dafür winkt eine kleine Romanze mit einem Kollegen.

Der Täter und sein Motiv bleiben dem Leser bis kurz vor dem Ende unerkannt. Nichts enttäuscht mich bei einem Kriminalroman mehr als die Möglichkeit, den Mörder/Entführer/… zu früh zu vermuten. Dann ist die ganze Spannung hin.

Jedoch kommt Melanie Lahmer nicht ganz ohne die typischen Klischees und Kniffe aus. Nataschas Chef beispielsweise hat private Probleme, in seiner Familie läuft es nicht so rund, wie er es gerne hätte.

Ohne zu viel zu verraten, möchte ich hier nur erwähnen, dass es am Ende zu dem (meist) üblichen Showdown kommt. Ein typischer Kniff, der, wie Krimi- und Thrillerleser wissen, allzu gerne verwendet wird.

Fazit: Melanie Lahmer ist eine vielversprechende neue Krimiautorin, die ich gerne weiter beobachten werde. Weitere Bücher um Natascha Krüger wären wünschenswert. Da es sich bei „Knochenfinder“ um den ersten Teil einer Reihe handelt, wird mein Wunsch sicherlich in Erfüllung gehen.

Sterne: 4 von 5

Vielen Dank an Blogg dein Buch für dieses Rezensionsexemplar.

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The Death Collectors/Der letzte Moment (Jack Kerley)

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In einem Motelzimmer wird eine ermordete Frau gefunden, die kurz vorher noch unter der Erde verscharrt war. Carson Ryder und sein Partner Harry Nautilus ermitteln. Dabei stoßen sie auf Verbindungen zu dem Serienmörder Marsden Hexcamp, der vor dreißig Jahren zum Tode wurde. Morbide Sammler hoffen auf eine Auktion von Hexcamps Bildern, die lange als verschollen galten.

The Death Collectors“ (deutscher Titel: „Der letzte Moment“) ist der dritte Teil der Thriller-Reihe um den Detective Carson Ryder, dessen Bruder ein verurteilter Serienmörder ist.

Die Figuren sind die Hauptgrund, warum mir die Büchern von Jack Kerley so gut gefallen. Carson Ryder und Harry Nautrilus sind sympathische Ermittler mit Ecken und Kanten. Dabei kommt auch der Humor nicht zu kurz.

Carsons Bruder Jeremy ist da ein ganz anderes Kaliber. Er ist ein durchgedrehter Psychopath, der mit seinem Bruder Psychospielchen spielt.

„The Death Collectors“ zeichnet sich nicht durch eine rasante Handlung, bei der sich die Leichen stapeln, aus, sondern durch die Ermittlungsarbeit. Der Mord ist nur der Startschuss, um in die menschlichen Abgründe abzutauchen.

Neben Marsden Hexcamp, der dank seiner Anhängerschaft an Charles Manson erinnert, sind es vor allem die Sammler, die bei mir für eine Gänsehaut sorgten. Dies sind Menschen, die Utensilien von Serienmördern sammeln und sich damit ihren Kick verschaffen. Diese Romanidee war für mich neu und sorgte für den besonderen Grusel.

Sterne: 4,5 von 5

The Lost Saint (Bree Despain)

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Nachdem Grace ihren Freund Daniel vor dem Werwolffluch gerettet hatte, wurde sie selbst infiziert. Ihr Bruder Jude, der zum Werwolf wurde, ist untergetaucht. Grace versucht ihn zu finden. Dabei trifft sie auf den geheimnisvollen Talbot.

The Lost Saint“ ist der zweite Teil der Dark Divine-Trilogie. Den ersten Teil, „The Dark Divine“, fand ich richtig toll, mit diesem Buch hatte Autorin Bree Despain jedoch einen kleinen Durchhänger.

Grace, die mir im ersten Buch so gut gefallen hatte, verhält sich hier leider genau so dickköpfig wie viele Heldinnen in anderen Jugendromanen. Wenn sie gesagt bekommt, so dies oder das nicht machen, macht sie es natürlich erst recht. Und der Leser weiß genau, dass sie damit ins Verderben rennt.
Auch Daniel hätte ich manchmal schütteln können. Geheimnisse sorgen nur für Missverständnisse. Somit war der Verlauf der Handlung grob vorauszusehen.

Das hat mich aber selbstverständlich nicht davon abgehalten, dieses Buch gerne zu lesen. Trotz allem sind die Figuren sympathisch und interessant. Die Geschichte ist flott erzählt.

Leser, die bisher kein Buch dieser Reihe gelesen haben, sollten unbedingt mit dem ersten Teil anfangen. Bree Despain fasst in „The Lost Saint“ kaum zusammen, was vorher passiert ist.

Der Roman endet übrigens mit einem fiesen Cliffhanger. Noch ein Grund mehr, den dritten Teil, der bereits bereit liegt, zu lesen.

Sterne: 3 von 5

Méto – Das Haus (Yves Grevet)

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Méto lebt als einer von vielen Jungen in einem Haus, das er noch nie verlassen hat. Er weiß nicht, woher er kommt und was mit ihm passieren wird, wenn er groß ist. Der Tag ist strikt geregelt, alles wird überwacht. Bis sich in Méto Widerstand regt.

Vorab eine kleine „Warnung“. „Méto – Das Haus“ ist der erste Teil einer Trilogie und endet mit einem ziemlich fiesen Cliffhanger. Die Zielgruppe vor allem die männliche Leserschaft.

Diese Dystopie ist besonders für ein Jugendbuch wirklich sehr düster. Aber gerade das hat mir so gut gefallen. Hier wurde die Linie konsequent durchgezogen.

Méto lebt in totaler Überwachung, abgeschnitten von der Außenwelt. Wobei ihm dieses kaum bewusst ist. Zu gut hat die Gehirnwäsche funktioniert. Erst langsam realisiert er, dass seine Lebensumstände nicht wünschenswert sind. Der Leser erfährt von dieser Welt genau so viel, wie Méto selbst weiß. Je mehr Informationen Méto sammelt, desto besser fügt sich das Bild für den Leser zusammen. In meinen Augen hat dies Yves Grevet sehr umgesetzt.

Dadurch ist das Buch sehr spannend. Ich habe es in einem Zug durchgelesen, weil ich wissen wollte, was es mit dem Haus auf sich hat. Da es sich aber um einen Dreiteiler handelt, muss ich warten, bis die nächsten Bücher erscheinen.

„Méto – Das Haus“ ist die beste Dystopie für Jugendliche, die ich seit langem gelesen habe. Da stört es mich auch kaum, dass die für mich brennende Frage, warum gewisse Jungen zu Verrätern wurden, nicht geklärt wurde. Das Buch hat mich so gefesselt, dass ich gerne darüber hinweg sehe.

Wenn ich nur nach dem Cover gegangen wäre, hätte ich das Buch wohl nie gelesen. Das comichafte hätte mich fast abgeschreckt.

Sterne: 5 von 5

Totengrund (Tess Gerritsen)

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  • Titel: Totengrund
  • Autor: Tess Gerritsen
  • Originaltitel: Ice Cold
  • Reiheninfo: 8. (9.) Teil der Rizzoli-Isles-Reihe
  • Verlag: blanvalet
  • Seitenzahl: 413
  • ISBN: 978-3-442-37481-6
  • Kaufmöglichkeit: hier
  • Erscheinungsdatum: 15. Mai 2012

Inhalt:

Auf einem Ärztekongress trifft Maura Isles einen alten Studienkollegen wieder. Spontan entscheidet sie sich, zusammen mit ihm und seinen Freunden ein Wochenende beim Skifahren zu verbringen. Doch ihr Auto bleibt während eines Schneesturms auf einer einsamen Straße liegen. Da sie kein Handynetz haben, bleibt ihnen nur die Wahl, Unterschlupf zu suchen. Sie stoßen auf Häuser, deren Bewohner scheinbar fluchtartig ihr Heim verlassen haben. Bald vermutet Maura jedoch, dass sie doch nicht allein sind, wie sie gedacht haben.

Rezension:

Fast bin ich froh, dass ich „Totengrund“ nicht im Winter gelesen habe. Denn Tess Gerritsen beschreibt wunderbar die kalte und bedrohliche Stille und Einsamkeit in einer entlegenen Gegend im tiefsten Winter. Als dann noch die eisigen Nächte geschildert wurden und der Verdacht aufkommt, ein Unbekannter beobachtet die ahnungslosen Touristen, wurde mir richtig mulmig beim Lesen und ich habe mehrmals über meine Schulter nach draußen geschaut.

Nachdem ich von dem letzten Thriller der Reihe, „Grabkammer“ („Leichenraub“ gehört für mich nicht wirklich zur Reihe), etwas enttäuscht war, ist „Totengrund“ wieder ein sehr spannender Roman, auch wenn er nicht an „Die Chirurgin“ oder „Der Meister“ herankommt.

Auch wenn ich dachte, dass ich wüsste, worauf es in „Totengrund“ hinausläuft, gab es am Ende zwei überraschende Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Mittlerweile habe ich schon so viele Thriller gelesen, dass ich häufig die Handlung bzw. Lösung voraussehen kann.

Tess Gerritsen verlässt die mit „Totengrund“ die üblichen Pfade des Thrillergenres. Zwar ist das Thema Sekten (ich verrate hier nicht zu viel, da das Thema dank des Prologs schnell klar ist) nicht neu, aber spannend umgesetzt.

Auch beziehungstechnisch ist Maura einigen Turbulenzen ausgesetzt. Dank Daniels Berufung war die Beziehung zueinander nie einfach. Hier gibt es endlich eine Entscheidung, nachdem sich das Thema über mehrere Bücher hingezogen hatte. Es bleibt abzuwarten, wie es im nächsten Teil der Reihe weitergeht. Auch eine andere Person wird in Mauras Leben hoffentlich zukünftig eine wichtige Rolle spielen.

Fazit: „Totengrund“ besticht vor allem durch die atmosphärische Spannung. Tess Gerritsen überrascht mit einem für sie neuen Thema.

Sterne: 4 von 5

Vielen Dank an Blogg dein Buch für dieses Rezensionsexemplar.

Shades of Grey (E.L. James)

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Für alle Leser, die überraschenderweise noch nichts von diesem Buch gehört haben, hier eine kurze Inhaltsangabe: Die unschuldige Studentin Anastasia Steele ist von dem Millionär Christian Grey fasziniert. Doch anstatt der erhofften Beziehung bietet er ihr einen BDSM-Vertrag an, in dem er die dominante Rolle übernimmt.

Nach dem ganzen (sicherlich marketinggesteuerten) medialen Trubel um dieses Buch hatte ich einen schockierenderen Roman erwartet. Doch die skandalösen Überraschungen hielten sich in Grenzen.
Sicher, BDSM ist kein Thema, das normalerweise bei Kaffeekränzchen diskutiert wird, aber es gibt garantiert härtere Romane dieser Art.
Selbst die Zahl der Sexszenen hält sich für einen 600-seitigen Erotikroman in Grenzen. Wer beispielsweise die Meredith Gentry-Reihe von Laurell K. Hamilton gelesen hat, weiß, was ich meine.

Shades of Grey“ ist kein literarisches Meisterwerk, aber es hat mich bestens unterhalten und ich hatte das Buch in Windeseile durch. Ich könnte mich theoretisch lang und breit sprachliche Wiederholungen und bildliche Klischees auslassen, aber das trifft auf so einige Bücher, die auf den Bestsellerlisten stehen, zu.
Wichtig ist, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte und mit beiden Hauptfiguren mitgefiebert habe. Zwischendurch musste ich sogar beim Lesen des Emailverkehrs zwischen Ana und Christian schmunzeln. Dank des Cliffhangers am Ende habe ich mir bereits den zweiten Teil der Reihe bestellt.
Trotz allem habe ich ein paar Kritikpunkte. Anas teilweise extreme Naivität ging mir manchmal ziemlich auf die Nerven. Welche 23-jährige hat noch nie von Blümchensex gehört? Außerdem, welche Literaturstudentin, die nicht am Hungertuch nagt, besitzt keinen eigenen PC?

Einige Kritiker tun so, als sei es der Untergang des Abendlandes, weil so viele Frauen begeistert diesen Roman lesen. Doch besteht wirklich die Gefahr, dass alle Leserinnen nun zu devoten Frauchen werden? Meiner Meinung garantiert nicht. Obwohl ich fasziniert am lesen war, habe ich immer innerlich die Faust in der Tasche geballt, wenn ich „devot“ oder „Sub“ las.
„Shades of Grey“ ist doch tatsächlich eine verschärfte Variante eines beliebten Themas in Liebesromanen. Da ist der emotional beschädigte Mann, der durch die Liebe zu einer Frau geheilt wird. Denn darauf läuft es doch sicherlich auch bei dieser Reihe hinaus. Und lesen wir nicht solche Märchen immer wieder gerne?
Allerdings gehe ich stark davon aus, dass alle im Buch gelieferten Erklärungen, warum Christian so verkorkst ist, auf Küchenpsychologie beruhen.

Bekannterweise entstand „Shades of Grey“ als Fanfiction zu Twilight. Ich habe zwar nur die ersten beiden Bücher der Vampirreihe gelesen, kann aber keine enormen Parallelen erkennen, die nicht auch auf andere Liebesromane zutreffen würden. Allerdings ist Christian wie Edward ein Stalker. Während dies in Twilight romantisch verbrämt wird, wird in „Shades of Grey“ ehrlich zugegeben, dass dies Züge eines Kontrollfreaks sind. Einen Christian Grey würde ich im realen Leben nicht geschenkt haben wollen.

Ich kann verstehen, wenn Lesern dieses Buch überhaupt nicht gefällt, sei es wegen des Inhalts oder des Schreibstils. Wer weiß, an einem anderen Tag hätte ich eventuell auch viel mehr daran auszusetzen gehabt. So hatte ich aber meinen Spaß beim Lesen, quasi Guilty Pleasure.

Sterne: 3,5 von 5

Das Liebesspiel (Dawn Tripp)

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Als Jane noch ein Kind war, wurde ihr Vater erschossen. Jetzt ist sie mit seiner damaligen Geliebten Ada befreundet. Noch immer ist unklar, ob der Täter wie vermutet Adas Ehemann war.
Janes Tochter Marne kehrt in die Heimat zurück und sie verliebt sich in Adas jüngeren Sohn.

Der ausgelobte Liebesthriller ist „Das Liebesspiel“ nicht. Der Roman gleicht viel mehr einem Fluss, der ruhig dahin fließt und manchmal überraschende und gefährliche Tiefen aufweist.

Auch wenn Dawn Tripp keinen besonders komplizierten Schreibstil hat, sollte der Leser aufmerksam sein. Denn plötzlich tauchen kleine Informationen auf, die dafür sorgen, dass sich das Puzzle zusammenfügt.

Während mich die ersten Kapitel noch nicht wirklich packen konnten, wuchs mir das Buch beim weiteren Lesen immer mehr ans Herz. Ausführlich und liebevoll beschreibt Dawn Tripps kleine, scheinbar unwichtige Szenen.

Wie bereits eingangs erwähnt, ist „Das Liebesspiel“ kein Thriller. Auch die angedeutete Liebesgeschichte spielt hier nicht die Hauptrolle. Viel mehr wird die Vergangenheit aufgearbeitet und die Beziehungen der Figuren zu einander (Freundschaft, Liebe, Familienbande, …) betrachtet.

Sterne: 4 von 5