Archiv für den Monat Juni 2012

Das Seil (Stefan aus dem Siepen)

Standard

Bauern finden ein Seil, das in den benachbarten Wald hineinführt. Während die Frauen daheim bleiben, machen sich die Männer auf den Weg, um das Ende des Seils zu finden. Dies hat schwerwiegende Konsequenzen.

Covergestaltung und Inhaltsangabe lassen einen Spannungsroman vermuten. Doch glücklicherweise weist der Verlag im Klappentext darauf hin, dass es sich bei Stefan aus dem Siepens neuestem Buch um eine Parabel handelt. Doch worauf bezieht sich diese Parabel?

Eine Parabel soll den Leser zum Nachdenken bringen, ihre eigentliche Bedeutung muss sich der Leser selbst erschließen.
Die vom Verlag gleich mitgelieferte Interpretation, dass es in „Das Seil“ um das Verhängnis blinder Obsession geht, kann ich teilweise nachvollziehen. Hinzu kommt, dass die Bauern einem Rattenfänger blind folgen. Dabei kommen menschliche Abgründe wie Gier und Mord zutage. Doch hat mich „Das Seil“ als Parabel nicht vollständig überzeugt. Zu viel wird meiner Meinung nach nur oberflächlich angekratzt. Jedoch ist die Interpretation jedem Leser selbst überlassen.

Keine Frage, Stefan aus dem Siepen kann schreiben, sein Sprachstil überzeugt, aber richtig fesseln und auf emotionaler Ebene berühren konnte er mich nicht. Dafür ist „Das Seil“ nicht eindringlich genug.

Die Parabel „Herr der Fliegen“ von Golding hat mich da viel mehr berührt und stärker zum Nachdenken angeregt.

Sterne: 3 von 5

Der Seelensammler (Donato Carrisi)

Standard

Ein Ärzteteam wird zu einem Notfall gerufen. Vor Ort stellen sie fest, dass das Opfer ein Serienmörder ist, der mehrere Frauen entführte und tötete. Es wird vermutet, dass er eine weitere Frau entführte, die gefunden werden muss. Doch der Mann liegt im Koma. Parallel gibt ein Unbekannter weitere Hinweise auf andere Täter und Taten.

Der Einstieg in „Der Seelensammler“ ist nicht leicht. Es gibt mehrere Handlungsstränge und dem Leser wird erst spät klar, wie diese zusammengehören. Da ist die Polizistin Sandra, die den Tod ihres Mann aufklären möchte. Dann gibt es Marcus, der sein Gedächtnis verloren hat und mit einem anderen Mann Hinweisen eines Unbekannten nachgeht und so ungeklärte Mordfälle aufdeckt. Und schließlich gibt es den „Jäger“, dessen Identität bis kurz vor dem Ende ein Mysterium bleibt.

Die größte Spannung generiert sich aus der Frage, wie die einzelnen Stränge zusammenhängen und wer der große Strippenzieher im Geheimen ist. Die Suche nach der vermissten Frau gerät dabei ziemlich in den Hintergrund.

Das Ende weiß tatsächlich noch zu überraschen, was mir natürlich gut gefallen hat. Ich werde auf jeden Fall das erste Buch von Donato Carrisi lesen.

Einen Kritikpunkt möchte ich hier aber noch anbringen. Häufig wurden die Rätsel und Hinweise viel zu schnell gelöst bzw. entdeckt. Nicht selten hat der Zufall geholfen. Das ging mir zu glatt und war wenig glaubwürdig.

Fans von Kirchenthrillern dürfen sich freuen, dass sie mit „Der Seelensammler“ sowohl einen Psycho- als Kirchenthriller bekommen.

Sterne: 4 von 5

P.S.: Zwischenzeitlich habe ich auch „Der Todesflüsterer“ gelesen. „Der Seelensammler“ gefällt mir ein Stück besser.

Die 39 Zeichen – Die Katakomben von Paris (Rick Riordan)

Standard

Bei der Testamentseröffnung ihrer Großmutter erfahren die Geschwister Amy und Dan, dass die verbliebenen Familienmitglieder eine Schnitzeljagd nach dem Erbe machen sollen. Es gibt eine Suche nach den 39 Zeichen.

Die Katakomben von Paris“ ist der erste Teil einer Jugend-Reihe, die von verschiedenen Autoren geschrieben wird. Rick Riordan macht den Anfang und ist das perfekte Zugpferd.

Rick Riordans bisherige Romane zeichneten sich dadurch aus, dass Mythen, Götter und mythische Gestalten eine wichtige Rollen spielten. In „Die Katakomben von Paris“ gibt es allerdings nichts mythisches.

„Die Katakomben von Paris“ ist für ein jüngeres Publikum geschrieben worden. Die Handlung ist etwas einfacher, wenn auch immer noch sehr rasant und turbulent. Nebenbei lernt der junge Leser noch einiges über den Erfinder Benjamin Franklin.

Dank der knapp 220 Seiten ist das Buch schnell gelesen. Trotzdem ist es für diesen Preis ein ziemliches Schnäppchen.

Insgesamt hat es mir aber nicht ganz so gut wie die anderen Bücher von Rick Riordan gefallen. Mir fehlte das Mystische und auch der Humor. Junge Leser dürfen aber trotzdem ihren Spaß haben.

Sterne: 3 von 5

Fische füttern (Fabio Genovesi)

Standard

Fiorenzo steht kurz vor dem Abitur und lebt in einer toskanischen Kleinstadt. Wenn er nicht gerade mit seiner Heavy Metal-Band berühmt werden will, träumt er davon, die Provinz zu verlassen. Seine Wege kreuzen die ältere Tiziana, die ebenfalls in Muglione unglücklich ist, und Mirko, der ein junges Rennfahrer-Ass ist.

Ich habe den Eindruck, dass momentan sehr viele Bücher von italienischen Autoren auf den deutschen Markt kommen. Bisher konnte ich mit den meisten nicht viel anfangen, aber „Fische füttern“ hat mir gut gefallen.

Fabio Genovesi erzählt aus mehreren Perspektiven, aber hauptsächlich aus der Sicht von Fiorenzo über Verluste, Einsamkeit, Jugend, die erste Liebe und Freundschaft. Häufig ist die Geschichte humorvoll, nicht selten aber auch tragisch-komisch.

Im Mittelpunkt steht Fiorenzo, der vor einigen Jahren eine Hand verloren hat. Früher war er ein guter Rennfahrer, jetzt hat sein Vater, der das Team trainiert, das Interesse an ihm verloren. Seine Mutter ist kürzlich verstorben.

Fiorenzo und seine Freunde sind leicht größenwahnsinnig, aber nicht erfolgreich. Sie schmieden hochtrabende Pläne, z.B. wie sie den Durchbruch mit ihrer Band schaffen, scheitern aber kläglich. Von ihren Sexphantasien ganz zu schweigen. Das ist auf dem ersten Blick komisch, stimmt aber auch traurig.

Ich hätte mir nur gewünscht, dass Fabio Genovesi an mancher Stelle einige Kürzungen vorgenommen hätte. Das Buch wäre auch ganz gut mit hundert Seiten weniger ausgekommen.

Sterne: 4 von 5

Vampire Souls – Nachtrausch (Jeri Smith-Ready)

Standard

Ciara bewirbt sich als Praktikantin im lokalen Radiosender WMMP. Nachdem sie die Zusage bekommen hat, stellt sie erstaunt fest, dass alle Moderatoren Vampire sind. Zu ihnen gehört Shane, der für die Grunge-Sendung zuständig ist.

Fast hätte ich mich von dem Cover in die Irre führen lassen. Ich hatte ein Jugendbuch erwartet, aber die Altersempfehlung ab 16 Jahre ist passender. Jeri Smith-Readys Vampire sind auf Blut angewiesen und zapfen dafür auch gerne Menschen an. Dieses Bluttrinken hat eine durchaus sexuelle Natur.
Ciara selbst hat es faustdick hinter den Ohren. Sie hat keine blütenreine Weste und einiges auf dem Kerbholz. Ich mag es, wenn Romanfiguren nicht schwarz-weiß gezeichnet werden, aber an einer Stelle musste ich schon etwas schlucken, als ich ihre Beichte las.

Jeri Smith-Readys Vampire haben das Problem, dass sie an die Zeit gebunden sind, in der sie vor ihrem untoten Dasein lebten, gebunden sind. Sie finden sich schwer in neuen Situationen zurecht und haben oft Macken oder gar Zwangsneurosen. Eine interessante Idee, wobei viele Vampire dadurch aber auch etwas blass wirken.

Musik spielt in „Vampire Souls“ eine große Rolle. Viele Vampire sind nicht nur DJs bei einem Radiosender, sie lieben es auch, über Musik, Bands und Sänger zu reden. Mir persönlich ist positiv aufgefallen, dass Leonard Cohen ebenfalls erwähnt wird. Die Autorin hat Geschmack!

„Vampire Souls“ hat mir gut gefallen und mich gut unterhalten. Jeri Smith-Ready hat es geschafft, mit neuen Ideen etwas Abwechslung ins Vampir-Genre zu bringen.

Sterne: 4 von 5

Finding Sky (Joss Stirling)

Standard

Für ein Jahr zieht Sky mit ihren Adoptiveltern von England in die USA. In einer Kleinstadt geht Sky zur Highschool, wo sie den geheimnisvollen Zed Benedict kennenlernt, der mit ihr telepathisch kommuniziert und ihr kurz darauf offenbart, dass sie seine Seelenverwandte, sein Seelenspiegel, sei.

Finding Sky“ ist ein Fantasyroman für Jugendliche. Es geht hier um sogenannte Savants, Menschen, die besondere Fähigkeiten haben. Dazu gehören Telepathie, die Fähigkeit, in die Zukunft zu sehen oder Gegenstände zu bewegen. Ein wenig fühlte ich mich an X-Men erinnert.

Vor allem der Schreibstil der Autorin Joss Stirling hat mir richtig Spaß gemacht. Die teilweise bissigen und vor allem selbstironischen Kommentare von Sky haben mich mehrmals zum Lachen gebracht. Vor allem darin liegt meiner Meinung nach die Stärke dieses Buchs.

Am besten gefiel mir das erste Drittel des Romans. Je nach Situation streiten oder ignorieren sich Sky und Zed gegenseitig. Sobald Zed feststellt, dass Sky sein Seelenspiegel ist, flacht die Spannungskurve zuerst ein wenig ab. Das mag auch daran liegen, dass ich kein so großer Fan von Liebesgeschichten bin, in denen mindestens ein Partner schnell akzeptiert, dass er/sie seinen Seelenverwandten vor sich hat.

Für Action ist auch gesorgt. Ohne zu viel zu verraten, möchte ich nur erwähnen, dass die Savants Gegenspieler haben, die nicht vor Gewalt zurückschrecken.

Insgesamt gefiel mir „Finding Sky“ sehr gut. Sympathische Figuren und der Schreibstil der Autoren machen das Buch zu einem kurzweiligen Lesevergnügen. Die schöne Gestaltung des Schutzumschlags rundet das ganze Paket perfekt ab.

Sterne: 4 von 5