Archiv für den Monat April 2012

Elbenthal-Saga: Die Hüterin Midgards (Ivo Pala)

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An ihrem 17. Geburtstag erfährt Svenya nicht nur, dass sie eine unsterbliche Elbenprinzessin ist, sondern auch die Hüterin von Midgard. In der Festung Elbenthal, unterhalb von Dresden, wird sie trainiert, damit sie gegen ihre Feinde, die Dunkelelben, kämpfen kann.

Die Elben haben sich der heutigen Zeit und Technik angepasst und kämpfen mit den modernsten Waffen. Elektronisch sind ebenfalls bestens ausgerüstet. Obwohl die Hauptfigur eine junge Frau ist, dürfte dieser Fantasy-Roman u.a. deswegen auch für Jungs interessant sein.

Ein weiterer Pluspunkt für männliche Leser ist garantiert die Action. Da wird trainiert, gekämpft und Monster gejagt.

Generell liest sich das Buch sehr gut und flüssig. Es kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf.

Dennoch kann ich mich der allgemeinen Begeisterung über dieses Buch nicht ganz anschließen. Das liegt daran, dass ich mit den Figuren nie richtig warm wurde, es blieb immer eine gewisse Distanz. Auch die jeweiligen Schauplätze wurden vor meinem geistigen Auge nicht lebendig, die Gegend wirkte auf mich eher kalt.

Ivo Pala verarbeitet in „Die Hüterin Midgards“ nordische Mythen und bedient sich u.a. bei der Nibelungensage. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass nicht nur die Namen diese Vorbilder übernommen werden. Ich liebe es, wenn ich Parallelen und Anspielungen zu bekannten Göttern, Helden und Sagen in Romanen wiederfinden kann.

Das Buch selbst ist sehr schön gestaltet. Das Cover hat einen metallischen Glanz, vorne und hinten sind innen gezeichnete Landkarten der Gegend im Dresden abgebildet.

Sterne: 3 von 5

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Die Tigerfrau (Téa Obreht)

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Als Natalia von dem Tod ihres Großvaters erfährt, erinnert sie sich vor allem an die Geschichte, die er gerne erzählte. Von dem Mann, der nicht sterben konnte, aber den Tod seiner Mitmenschen voraussah. Und dann ist da noch die Geschichte von der taubstummen Tigerfrau.

Eigentlich fallen Bücher wie „Die Tigerfrau“ überhaupt nicht in mein Beuteschema. Umso glücklicher bin ich, dass ich dieses Buch doch gelesen habe.

„Die Tigerfrau“ ist ein Buch, auf das man sich Ruhe einlassen muss und nicht einfach nebenbei lesen sollte. Zumindest ging es mir so. Nachdem ich mich zurückgezogen hatte, wuchs mir dieses Buch von Kapitel zu Kapitel mehr ans Herz.

Manche Rezensenten schreiben von Fantasy-Elementen, wenn sie die Geschichten von Natalias Großvater beschreiben wollen, die nicht rational zu erklären sind. Ich würde es einfach als Magie bezeichnen. Téa Obreht verknüpft Mythen und Aberglaube mit der jüngsten Geschichte ihres Heimatlandes Jugoslawien.

Der Schreibstil ist eindringlich und eindrucksvoll. Trotzdem lässt sich das Buch sehr flüssig lesen.

Auch wenn es in „Die Tigerfrau“ mitunter um Tod, Krieg und Gewalt geht, ist dieser Roman ein Wohlfühlbuch. Nachdem ich die letzte Seite umgeblättert hatte, blieb ich mit einem glücklichen Gefühl und einem Lächeln im Gesicht zurück.

Sterne: 5 von 5

Stirb (Hanna Winter)

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In Berlin geht ein Serienmörder um. Lara Simons kann ihm in letzter Sekunde entkommen, doch er verfolgt sie weiter. Also nimmt sie eine neue Identität an und zieht mit ihrer Tochter nach Rügen. Doch nach ein paar Jahren sieht es so aus, als hätte der Mörder wieder ihre Spur aufgenommen.

Stirb“ ist im Stil amerikanischer Thriller geschrieben. Während ich bei den US-Romanen Übertreibungen und mitunter Klischees akzeptiere und sogar fast erwarte, wirkt dies bei deutschen Thrillern meist unpassend.

Hanna Winters zweiter Roman ist zeitweise spannend, aber kein Thriller, an den ich noch lange denken werde. Dafür ist er zu durchschnittlich.

Meiner Meinung nach nimmt sich Hanna Winter zu wenig Zeit, einzelne Szenen, Handlungen und Gedanken zu beschreiben, so dass ich mich nicht richtig in die Situationen reinfinden konnte. Immer wieder kam ein Szenenwechsel oder Sprung.

Der Thriller hat knappe 350 Seiten, wobei die Zeilenabstände sehr großzügig sind und die Schrift relativ groß gewählt ist. Für meinen Geschmack hätte das Buch ein paar Seiten mehr benötigt.

Schade, der Anfang begann so vielversprechend. Dafür war das Ende zu vorhersehbar, bzw. der Täter schnell zu ermitteln, da zu offensichtliche Spuren gelegt wurden, die von ihm ablenken sollten.

Sterne: 2 von 5

Den Mond aus den Angeln heben (Gregory Hughes)

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Als ihr Vater plötzlich stirbt, haben der zwölfjährige Bob und seine kleine Schwester Marie Claire, auch Ratte genannt, Angst, dass sie ins Kinderheim gesteckt werden. Also machen sie sich alleine von Kanada auf den Weg nach New York, wo ihr Onkel leben soll.

Den Mond aus den Angeln heben“ ist ein merkwürdiges, verrücktes und sehr berührendes Buch.

Merkwürdig und verrückt vor allem dank Ratte, dem zehnjährigen Mädchen, das gleichzeitig altklug und naiv ist, doch vor allem in die Herzen der Menschen schauen kann. Die Ratte ist ein kleiner Feldwebel, der die Menschen um den Finger wickelt. Außerdem hat die Ratte manchmal Träume, verbunden mit epileptischen Anfällen, die ihr Ereignisse in der Zukunft zeigen.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Bob, der mitunter an seiner nervigen kleinen Schwester verzweifelt. Bob muss seinen eigenen Kummer herunterschlucken, seine eigenen Probleme beiseite schieben, da er sich verpflichtet fühlt, für die Ratte zu sorgen.

Auf ihrer Reise treffen die beiden Kinder viele Menschen, die einerseits Gauner oder Verbrecher sind, aber das Herz am rechten Fleck haben. Da ist Joe, der Drogendealer, der Bob und die Ratte mit nach New York nimmt und sich um eine Unterkunft für die beiden kümmert. Oder Tommy, der mit kruden Storys Geld von Passanten erschnorrt. Dies sind die Geschichten, die das Buch so anrührend machen, aber auch dafür sorgen, dass das Buch nicht leicht verdaulich ist. Denn neben Freundschaft, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft geht es auch um Pädophile, Tod und Verbrechen. Das Leben ist nicht nur schwarz oder weiß.

Dies zeigt sich auch beim Ende, das mich zu Tränen gerührt hat. Doch für mich ist es kein hoffnungsloses Ende, da sich die Träume der Ratte immer bewahrheitet haben.

Sterne: 5 von 5

Vor dem Regen kommt der Tod (Lieneke Dijkzeul)

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Die Polizistin Renée wird in ihrer Wohnung überfallen und brutal niedergestochen. Sie überlebt schwer verletzt. Doch die Tatsache, dass die rothaarige Frau teilweise skalpiert und ihr die römische Zahl I in den Bauch geritzt wurde, lässt die Polizei vermuten, dass der Täter mehr Opfer im Visier hat.

Vor allem die Eingangsszene hatte mich sehr beeindruckt. Der Überfall auf Renée und der daraus resultierende Kampf, in dem die Polizistin um ihr Leben kämpft, ist äußerst eindringlich und spannend geschrieben und sie führt vor Augen, dass selbst eine Frau mit Selbstverteidigungsausbildung kaum eine Chance hat.

Interessanterweise ändert sich nach den ersten Kapiteln der Blickwinkel, aus dem der Thriller geschrieben wird. Sah es am Anfang so aus, als würde es vor allem darum gehen, wie die Polizei dem Täter auf die Schliche kommt, rückt die rothaarige Vivienne in den Vordergrund.
Sehr schnell erfährt der Leser, dass Vivienne die Frau des Mörders ist. Sie selbst ahnt nicht, dass John der Mörder ist, vermutet aber, dass er ihr nicht treu ist und stellt Nachforschungen an. Die Entdeckungen und Selbsterkenntnisse, die sie dabei macht, sorgen für die eigentliche Spannung in diesem Thriller, was auch über die kleinen Längen hinweg tröstet.

Das doch überraschende Ende gefiel mir sehr gut. So hätte ich es nicht erwartet.

Insgesamt ist dieser niederländische Thriller „Vor dem Regen kommt der Tod“ sehr lohnenswert.

Sterne: 4 von 5

vergissdeinnicht (Cat Clarke)

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Nach einem Selbstmordversuch wacht Grace in einem weißen Raum auf. Sie kann sich nicht erinnern, wie sie hierher gekommen ist. Doch damit sie wieder zurück in die Freiheit kommt, muss sie die Puzzleteile ihrer Vergangenheit zusammensetzen.

Ich habe „vergissdeinnicht“ in einem Rutsch durchgelesen. Graces Geschichte, in der es um Selbstfindung und die Verarbeitung von emotionalen Wunden geht, ist fesselnd und berührend.

Es ist zwar schon eine Weile her, dass ich selbst in dem Alter war, aber in meinen Augen schafft es Cat Clarke sehr gut, einen verunsicherten und auch emotional vernachlässigten Teenager beschreiben. Grace, die verzweifelt Bestätigung bei ihren Mitmenschen sucht, ist eine Ritzerin. Beim Lesen fragte ich mich mehrmals, ob Clarke privat ähnliche Erfahrungen gemacht hat, so gut beschreibt sie die Beweggründe und Gefühle ihrer Hauptfigur.

Auch wenn mir schnell klar, worauf Graces Aufenthalt in dem weißen Raum hinausführt, und ich den Auslöser im Laufe der Handlung auch bald erahnen konnte, hat mich das Ende doch ziemlich mitgenommen. Es ist kein Happy End, macht aber Hoffnung.

„vergissdeinnicht“ ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und das man nicht so schnell vergisst.

Sterne: 4 von 5

Krank (J.A. Kerley)

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Detective Carson Ryder möchte eigentlich nur Urlaub in der Natur machen. Doch das scheinbare Idyll trügt, denn ein Serienmörder geht um, der seine Opfer brutal tötet. Mit Hilfe seines psychopathischen Bruders Jeremy, der selbst ein Serienmörder ist, macht sich Carson auf die Suche.

Krank“ ist der siebte Teil um den Ermittler Carson Ryder, wobei nach meinen Recherchen nur fünf Bücher der Reihe ins Deutsche übersetzt wurden. Warum Teil 5 und 6 ausgelassen wurden, habe ich noch nicht herausgefunden.

Normalerweise mag ich es überhaupt nicht, mitten drin in eine Serie einzusteigen, aber „Krank“ ist für Quereinsteiger ganz gut geeignet.

Was diese Reihe von anderen Thrillern abhebt, ist die Figur des Jeremy. Jeremy ist ein entflohener Serienmörder, der dank seines „Einfühlungsvermögens“ in kranke Psychen seinem Bruder Carson bei der Lösung von Fällen zur Seite steht. Jeremy ist keineswegs geheilt (falls so etwas überhaupt möglich ist), sondern lebt weiterhin in seiner eigenen Welt mit ihren besonderen Regeln und Werten. Gerade dies macht das Buch so interessant.

Wie ich in Kritiken zum ersten Teil der Serie, „Einer von hundert“ gelesen habe, wird Jeremys Fall bereits vor dem Start der Reihe gelöst. Späteinsteiger müssen also keine Sorge haben, gespoilert zu werden.

J.A. Kerleys Thriller ist spannend, packend und flüssig zu lesen und kann am Ende mit der Auflösung überraschen. Die Morde sind zwar brutal, aber der eigentliche Horror ist der Auslöser dieser Mordserie. Gut gefallen haben mir die Figuren. Neben Jeremy ist da natürlich Carson, der seinen Bruder deckt. Carson hat ebenfalls an seiner Vergangenheit, einer brutalen Kindheit, zu knacken. Doch anders als Jeremy ermordete er nicht seinen Vater und tötete später mehrere Frauen.

Schade, dass ich nicht früher über Kerleys Thriller gestolpert bin. Ich werde jetzt erst einmal die Reihe vom ersten Buch an lesen.

Sterne: 5 von 5