Der Mord des Jahrhunderts (Paul Collins)

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New York, 1897: Nach dem Fund mehrerer Leichenteile ist die Polizei mehr oder weniger hilflos auf der Suche nach dem Mörder. Die New Yorker Boulevardpresse ist wie elektrisiert und stellt eigene Nachforschungen an, allen voran die New York World und das New York Journal. Es beginnt ein Rennen um die größten Sensationsmeldungen.

Anders als der Titel es vielleicht vermuten lässt, handelt es sich bei „Der Mord des Jahrhunderts“ nicht um einen Kriminalroman. Paul Collins sehr gut recherchiertes Buch erzählt viel mehr von der anderen Seite des realen Falls Guldensuppe, nämlich der Geburtsstunde der Boulevardpresse.

Während die Täter relativ schnell gefunden sind, werden auch die Verhandlung, des Urteil und die Folgen betrachtet. Eine wichtige Rolle spielen dabei immer wieder die New Yorker Zeitungsmogule Pulitzer (New York World) und Hearst (New York Journal), die sich erbittert bekämpfen. Beide Zeitungen versuchen sich bei der Suche nach dem Mörder und später dem Kopf des Opfers gegenseitig zu übertrumpfen. Dabei sind ihnen nahezu alle Mittel recht, teilweise werden auch Beweise manipuliert.

Paul Collins gelingt es wunderbar, die recherchierten Fakten zu einem sehr unterhaltsamen historischen Roman zusammenzufügen. Dabei hat der Leser das New York des 19. Jahrhunderts vor Augen. Dieses New York ist ein wahrer Melting Pot, der Fall Guldensuppe spielt vor allem im deutschen Einwanderermilieu.

Besonders die Hintergrundinformationen machen „Der Fall des Jahrhunderts“ so lesenswert. Der leitende Ermittler hält nichts von der neumodischen Methode des Fingerabdrucks. Die Entstehung des Begriffs Yellow Press wird erklärt. Für die Gerichtsverhandlung werden Eintrittskarten verkauft. Die Täter werden zu Stars.

Leser, die an geschichtlichen Hintergründen interessiert sind und gerne einen Krimi genießen, sind mit diesem Buch bestens bedient. „Der Mord des Jahrhunderts“ ist gut recherchierte Unterhaltung, die sich flüssig lesen lässt.

 Sterne: 5 von 5

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