Archiv für den Monat März 2012

Der Mord des Jahrhunderts (Paul Collins)

Standard

New York, 1897: Nach dem Fund mehrerer Leichenteile ist die Polizei mehr oder weniger hilflos auf der Suche nach dem Mörder. Die New Yorker Boulevardpresse ist wie elektrisiert und stellt eigene Nachforschungen an, allen voran die New York World und das New York Journal. Es beginnt ein Rennen um die größten Sensationsmeldungen.

Anders als der Titel es vielleicht vermuten lässt, handelt es sich bei „Der Mord des Jahrhunderts“ nicht um einen Kriminalroman. Paul Collins sehr gut recherchiertes Buch erzählt viel mehr von der anderen Seite des realen Falls Guldensuppe, nämlich der Geburtsstunde der Boulevardpresse.

Während die Täter relativ schnell gefunden sind, werden auch die Verhandlung, des Urteil und die Folgen betrachtet. Eine wichtige Rolle spielen dabei immer wieder die New Yorker Zeitungsmogule Pulitzer (New York World) und Hearst (New York Journal), die sich erbittert bekämpfen. Beide Zeitungen versuchen sich bei der Suche nach dem Mörder und später dem Kopf des Opfers gegenseitig zu übertrumpfen. Dabei sind ihnen nahezu alle Mittel recht, teilweise werden auch Beweise manipuliert.

Paul Collins gelingt es wunderbar, die recherchierten Fakten zu einem sehr unterhaltsamen historischen Roman zusammenzufügen. Dabei hat der Leser das New York des 19. Jahrhunderts vor Augen. Dieses New York ist ein wahrer Melting Pot, der Fall Guldensuppe spielt vor allem im deutschen Einwanderermilieu.

Besonders die Hintergrundinformationen machen „Der Fall des Jahrhunderts“ so lesenswert. Der leitende Ermittler hält nichts von der neumodischen Methode des Fingerabdrucks. Die Entstehung des Begriffs Yellow Press wird erklärt. Für die Gerichtsverhandlung werden Eintrittskarten verkauft. Die Täter werden zu Stars.

Leser, die an geschichtlichen Hintergründen interessiert sind und gerne einen Krimi genießen, sind mit diesem Buch bestens bedient. „Der Mord des Jahrhunderts“ ist gut recherchierte Unterhaltung, die sich flüssig lesen lässt.

 Sterne: 5 von 5

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Ein Herzschlag bis zum Tod (Sara J. Henry)

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Zufällig bekommt die Journalistin Troy mit, wie ein kleiner Junge auf einer Fähre ins Wasser fällt. Sie springt ins Wasser und rettet ihn. Dabei muss sie feststellen, dass Paul zuvor entführt und absichtlich über Bord geworfen wurde. Troy macht sich auf die Suche nach seiner Familie.

Auf der Rückseite des Buchs wird u.a. mit der Aussage „… und eine wunderbare Heldin“ geworben. Dem kann ich absolut zustimmen. Troy war der Grund, warum ich „Ein Herzschlag bis zum Tod“ so gerne gelesen habe. Sie ist eine sympathische und vor allem realistische Heldin.

Da ist es auch egal, dass es sich hier nicht wirklich um den deklarierten Thriller handelt, sondern eher um einen Kriminalroman. Spannung ist trotzdem vorhanden. Wer also einen Krimi sucht, der einem ein gutes Gefühl verleiht, ist hier bestens bedient.

Das Ende ist stimmig und ich froh zu lesen, dass eine Fortsetzung geplant ist. Ich werde mir dieses Buch sicherlich zulegen.

Sterne: 4 von 5

Ewig Dein (Daniel Glattauer)

Standard

Nicht wirklich verliebt lässt sich Judith auf Hannes ein, denn seine Aufmerksamkeiten und Hingabe schmeicheln ihr. Doch bald fühlt sich Judith von Hannes eingeengt und versucht die Beziehung zu beenden. Aber Hannes bleibt hartnäckig.

Viele Leser dürften Daniel Glattauer vor allem mit seinem Bestseller „Gut gegen Nordwind“ in Verbindung bringen und möglichweise ähnliche Erwartungen in Bezug auf „Ewig Dein“ haben. Deshalb hier die „Warnung“, dass dieser Roman keine romantische Liebesgeschichte ist.

Wieder konzentriert sich Glattauer auf ein paar wenige Personen. Im Mittelpunkt steht vor allem Judith, aus deren Sicht der Leser das Beziehungsdrama verfolgen kann. Die Nebenfiguren spielen eine deutlich kleinere Rolle.
Besonders in der ersten Hälfte konnte ich mich wunderbar in Judith hineinversetzen. Ein solcher Klammerer wie Hannes ruft bei mir die gleichen Reaktionen hervor. Allerdings hätte ich schon nach dem ersten Treffen mit Hannes panikartig die Flucht ergriffen.

Glattauers Erzählstil ist wie immer pointiert, klar, prägnant und mit Wortwitz. Sein geschickter Umgang mit Wörtern macht einfach Spaß.
Ich hatte das Glück, gerade ein Radiointerview mit Daniel Glattauer gehört zu haben, so dass ich beim Lesen noch seinen Sprachrhythmus in den Ohren hatte.

Der Roman wartet mit einigen Wendungen auf, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Da sich Glattauer nicht in das Korsett eines Thrillers pressen lassen muss, hat er hier freie Hand und konnte mich als Thrillerleser mit meinen Erwartungshaltungen überraschen.

Schade nur, dass das Ende so abrupt erscheint. Hier hätte ich mir ein paar Seiten mehr gewünscht.

Sterne: 4 von 5

Ruht das Licht (Maggie Stiefvater)

Standard

Eigentlich könnte die Zukunft für Sam und Grace so rosig sein. Sam hat sich über Winter nicht in einen Wolf verwandeln müssen. Doch plötzlich muss Grace mit Kopfschmerzen und anderen Krankheitssymptomen kämpfen.

Maggie Stiefvaters Buch „Nach dem Sommer“ war für mich die Entdeckung des Jahres 2011. „Ruht das Licht“ beginnt, wo der erste Teil der Wölfe von Mercy Falls“-Reihe geendet hat.

Vielleicht eine kleine Warnung. „Nach dem Sommer“ endet offen. Da sich dieses bereits beim Lesen andeutete, hatte ich mich dazu entschlossen, eine kurze Pause einzulegen und zu warten, bis mir der dritte Teil (allerdings im englischen Original) vorliegt.

Maggie Stiefvater schafft es wieder, wunderbar melancholisch zu schreiben, ohne dass der Text ins Kitschige abrutscht. Doch insgesamt erreicht Ruht das Licht“ nicht ganz die Intensität des ersten Teils.

Ein Grund dafür ist sicherlich, dass Sam und Grace nicht mehr die einzigen Hauptpersonen sind. Als weitere Ich-Erzähler kommen zusätzlich Cole (ein neuer Werwolf) und Isabel (bereits aus dem ersten Teil bekannt) hinzu. Dies sorgt zwar für neuen Schwung, verschiebt aber natürlich auch den Focus. Sowohl der selbstzerstörerische Cole, als auch die zickige Isabel sind spannende Charaktere.

Sterne: 4 von 5

Die toten Frauen von Juárez (Sam Hawken)

Standard

Kelly Courter ist ein abgehalfterter Boxer, der sich in der mexikanischen Stadt Ciudad Juárez mit Boxkämpfen über das Wasser hält. Nebenbei verdient er etwas Geld mit Drogenverkäufen. Bis eines Tages seine Freundin brutal ermordet aufgefunden wird. Die Polizei verdächtigt Kelly.

Das Zielpublikum für Sam Hawkens brutalen und trostlosen Roman „Die toten Frauen von Juárez“ dürften vor allem die männlichen Leser sein. Im Vordergrund stehen zwei Männer, die beide auf verschiedene Arten gescheiterte Existenzen sind. Kelly Courter ist ein Ex-Junkie, der sich mit drittklassigen Boxkämpfen, bei denen er verprügelt wird, seinen Lebensunterhalt verdient (Erinnerungen an „The Wrestler“ werden wach). Der Ermittler Sevilla, der in der zweiten Hälfte des Buchs die Hauptrolle übernimmt, ist Witwer, seine Tochter und Enkeltochter sind spurlos verschwunden. Außerdem hat er ein Alkoholproblem.

Überhaupt haben alle Figuren irgendwie Dreck am Stecken, wobei es aber kaum eine Schwarz-Weiß-Zeichnung gibt. Paloma, Kellys Freundin, unterstützt zwar ihren Bruder, der mit Drogen dealt, engagiert sich aber Mujeres Sin Voces, einer Gruppe von Frauen, die den Feminicidios in Ciudad Juárez anprangert.
Sevilla ist einer von den Guten, hat aber keine Hemmungen, Gewalt anzuwenden. Generell ist sich die Polizei nicht zu schade, Verdächtige zu foltern.

Interessanter, aber auch grausiger und realer Hintergrund sind die Frauenmorde von Ciudad Juárez, die sogenannten Feminicidios. In der mexikanischen Stadt wurden in den letzten Jahren hunderte von Frauen ermordet, ohne dass die Polizei große Aufklärungsarbeit liefern konnte oder wollte. Es wird vermutet, dass sowohl Serienmörder, die Drogenmafia und Trittbrettfahrer die Täter sind.

Leider wirken das Ende bzw. die Auflösung etwas überstürzt.

Mir persönlich ist dieser Roman zu hoffnungs- und trostlos. Ich brauche beim Lesen etwas mehr Eskapismus. Wem solche Bücher aber liegen, würde sicherlich mindestens vier Sterne vergeben. Bei mir sind es nur drei Sterne, da mich zusätzlich das Ende ein wenig enttäuschte und ich nicht immer gefesselt war.

Sterne: 3 von 5

Fair Game (Patricia Briggs)

Standard

Charles leidet unter seiner Aufgabe des Vollstreckers des Rudels. Um ihn abzulenken, bekommt er von seinem Vater den Auftrag, zusammen mit Anna nach Boston zu reisen. Dort treibt ein Serienmörder, der zuletzt drei Werwölfe tötete, sein Unwesen. Charles und Anna sollen dem FBI helfen.

Fair Game“ ist das dritte Buch der Alpha & Omega-Reihe, einem Spin-off der Mercy Thompson-Reihe. Während der letzte Teil der Mercy-Serie, „River Marked“, etwas schwächelte, ist Patricia Briggs mit diesem Buch wieder zu alter Stärke zurückgekehrt.

Mit ihren weiblichen Heldinnen schafft es Patricia Briggs immer wieder, starke Frauen zu beschreiben, ohne dass diese zu Karikaturen verkommen. Auch Anna ist stark, auch wenn sie als Omega scheinbar der schwächste Werwolf des Rudels ist. Sie wird immer selbstbewusster. Ihre Entwicklung kann wunderbar von Buch zu Buch nachvollzogen werden.

Der Kriminalfall, um den es hier geht, ist spannend und überzeugend. Wie in den vorherigen Büchern geht es durchaus brutal und blutig zu. Patricia Briggs fasst ihre Leser nicht mit Samthandschuhen an.

Wie immer spielen Figuren aus der Mythologie eine wichtige Rolle. Achtung, mögliche Spoiler: Ohne zu viel zu verraten, sei hier nur erwähnt, dass ein keltischer Gott (Cernunnos – im Buch allerdings ohne Namen, aber er diente zumindest als Vorbild) und ein keltischer König (Gwynn ap Nudd) ihre Auftritt haben.

Das Ende ist eindrucksvoll und verspricht einige spannende Optionen für weitere Bücher der beiden Reihen.

Sterne: 5 von 5